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Athanasius (295-373) - Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (Epistulae ad Serapion)
Erster Brief

8.

Wenn ihr aber die heiligen Schriften zur Hand nehmt, werdet ihr finden, daß auch der Sinn der göttlichen Worte selbst πνεῦμα genannt wird, wie Paulus schreibt: „Der uns auch befähigt hat zu Dienern des Neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig"1. Das Wort wird demnach als Buchstabe bezeichnet, der ihm zugrunde liegende Sinn dagegen [S. 413] wird Geist genannt. So ist auch „das Gesetz geistig"2, „damit wir", wie er wiederum sagt, „nicht mehr im alten Buchstaben, sondern im neuen Geiste unseren Dienst leisten"3. Dankend aber sagte er: „So gilt es denn von mir: Ich diene mit der Vernunft dem Gesetze Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetze der Sünde. Es gibt also für jetzt keine Verdammnis mehr für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Lebensgeistes hat dich in Christus Jesus frei gemacht von dem Gesetz der Sünde"4. Auch Philippus, der den Eunuchen vom Buchstaben zum Geist bekehren wollte, sagte: „Verstehst du, was du liesest?"5 Ein solcher Geist war nach dem Zeugnis des Buches Numeri auch in Kaleb, da Gott spricht: „Aber mein Knecht Kaleb, da ein anderer Geist in ihm war und er mir folgte, so will ich ihn in das Land führen, in das er daselbst gekommen ist"6. Weil er nämlich anderen Sinnes redete als jene, ward er Gott wohlgefällig. Ein solches Herz sollte auch das Volk nach Gottes Ermunterung haben, da er durch Ezechiel sprach: „Schaffet euch ein neues Herz und einen neuen Geist"7. Bei diesem Stand der Dinge und bei der großen Verschiedenheit, die nachweislich bezüglich der Geister besteht, tätet ihr besser, wenn von einem geschaffenen Geist die Rede ist, an einen der oben erwähnten Geister zu denken, wie jenen, von dem bei Jesaias geschrieben steht: „Aram hat sich mit Ephraim verständigt, und es bebte seine Seele und die Seele seines Volkes, wie im Walde ein Baum vom Winde (πνεῦμα) geschüttelt wird"8. Das gilt auch von dem „Winde, den der Herr aus dem Meere" des Jonas wegen „erregte"9. Denn dem Donner folgt das Brausen der Winde10, wie gelegentlich des Regens [S. 414] über Achab nach der Schrift: „Und es geschah also, und währenddessen verfinsterte sich der Himmel durch Wolken und Wind (πνεύματι)"11.

1: 2 Kor. 3,6.
2: Röm. 7,14.
3: Röm. 7,6.
4: Röm. 7,25; 8,1. 2.
5: Apg. 8,30.
6: Num. 14,24.
7: Ez. 18, 31.
8: Jes. 7,2.
9: Jon. 1,4.
10: τὰ τῶν ἀνέμων πνεύνατα.
11: 3 Kön. 18,45.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger