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Athanasius (295-373) - Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (Epistulae ad Serapion)
Erster Brief

3.

Woher nehmt ihr also den Grund zu solcher Kühnheit, daß ihr nicht einmal den Ausspruch des Herrn fürchtet: „Wer gegen den Heiligen Geist lästert, erhält keine Verzeihung, weder in dieser Welt noch in der künftigen"1? Denn die Arianer begriffen zwar die Gegenwart des Logos im Fleische und die um derselben willen ergangenen Aussprüche nicht, schöpften aber doch daraus den Vorwand für ihre Ketzerei und wurden so als Feinde Gottes und als Schwätzer erwiesen, die im Irdischen befangen sind2. Wodurch seid aber ihr in Irrtum geführt worden? Von wem habt ihr solches gehört, oder welche Bewandtnis hat es mit diesem euern Irrtum? Wir haben, sagen sie, beim Propheten Amos gelesen, daß Gott spricht: „Denn sieh, ich bin es, der den Donner festigt und den Geist (eig. Wind, πνεῦμα) schafft und den Menschen seinen Gesalbten3 verkündet, der Morgengrauen und Nebeldunkel bildet und auf die Höhen der Erde tritt; Herr, Gott der Allmächtige ist sein Name"4. Dadurch wurden wir bestimmt, den Arianern beizupflichten, die den Heiligen Geist für ein Geschöpf erklären. Die Stelle bei Amos habt ihr also gelesen; wenn es aber in den Sprüchen heißt: „Der Herr schuf mich als Anfang seiner Wege zu seinen Werken"5, habt ihr das nicht gelesen oder habt ihr es gelesen? Diese Stelle erklärt ihr der Wahrheit gemäß, so daß ihr den Logos kein Geschöpf zu nennen braucht. Die Stelle beim Propheten dagegen bemüht ihr euch gar nicht zu erklären, habt vielmehr, da ihr bloß das Wort πνεῦμα hörtet, angenommen, daß der Heilige Geist ein Geschöpf genannt werde. Nun sagt aber in den Sprüchen deutlich die Weisheit: „Er hat mich geschaffen". Trotzdem erklärt ihr den Ausspruch richtig, so daß ihr die schöpferische Weisheit nicht unter die Geschöpfe zählt. Die erwähnte Prophetenstelle enthält aber gar keine Aussage über den Heiligen Geist, sondern bezieht [S. 404] sich schlechtweg auf ein πνεῦμα (Wind). Da nun in der Schrift eine sehr mannigfache Bedeutungsverschiedenheit für den Ausdruck πνεῦμα herrscht, und die Stelle ihren eigenen richtigen Sinn haben kann, wie könnt ihr dann in so streitsüchtiger Weise oder, vom Biß der arianischen Schlange verwundet, glauben, es sei von Amos der Heilige Geist gemeint, nur damit ihr es nicht unterlassen müßt, ihn für ein Geschöpf zu halten?

1: Matth. 12,32; Mark. 3,29.
2: Joh. 3,31.
3: τὸν χριστὸν αὐτοῦ. LXX hat me schîchô statt des dunkeln mah-ssechô gelesen.
4: Am. 4,13.
5: Spr. 8,22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger