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Athanasius (295-373) - Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (Epistulae ad Serapion)
Erster Brief

19.

Da also ein solcher Versuch unnütz und mehr als wahnsinnig ist, sollte niemand mehr um solches fragen, sondern nur das zu erkennen streben, was die Schriften enthalten. Die Beispiele, die sie darüber bieten, sind genügend und hinreichend. Nun wird der Vater Quelle und Licht genannt. Denn „mich", spricht er, „die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen"1. Und wieder bei Baruch: „Warum, o Israel, bist du im Lande der Feinde? Verlassen hast du die Quelle der Weisheit"2. Und nach Johannes „ist unser Gott Licht"3. Der Sohn aber wird mit Bezugnahme auf die Quelle Fluß genannt; denn „der Strom Gottes ist des Wassers voll"4. Unter Bezugnahme auf das Licht heißt [S. 429] er Abglanz, indem Paulus sagt: „Dieser ist Abglanz der Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens"5. Wenn also der Vater Licht, der Sohn aber dessen Abglanz ist, — denn man darf kein Bedenken tragen, das gleiche, zumal über solchen Gegenstand, oft zu sagen — dann kann man im Sohne den Geist schauen, durch den wir erleuchtet werden. Es heißt ja: „Er wolle euch den Geist der Weisheit und Offenbarung geben zu seiner Erkenntnis, wolle die Augen eures Herzens erleuchten"6. Wenn wir aber durch den Geist erleuchtet werden, so ist es Christus, der uns durch ihn erleuchtet; denn „er", heißt es, „war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt"7. Wenn ferner der Vater Quelle ist, der Sohn aber Fluß genannt wird, so heißt es auch, daß wir den Geist trinken; denn es steht geschrieben, „daß wir mit einem Geiste getränkt sind"8. Indem wir aber mit dem Geiste getränkt werden, trinken wir Christus; denn „sie tranken aus dem sie begleitenden Felsen, der Fels aber war Christus"9. Wie ferner Christus wahrer Sohn ist, werden wir, indem wir den Geist empfangen, zu Kindern umgeschaffen; „denn ihr", heißt es, „habt nicht abermals den Geist der Knechtschaft zur Furcht empfangen, ihr habt vielmehr den Geist der Kindschaft empfangen"10. Wenn wir aber durch den Geist zu Kindern umgeschaffen werden, so werden wir offenbar in Christus Kinder Gottes genannt; denn „allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden"11. Während dann, wie Paulus sich ausdrückte, der Vater allein weise ist, ist der Sohn seine Weisheit; denn „Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit"12. Wenn aber der Sohn die Weisheit ist, und wir den Geist der Weisheit empfangen, so haben wir den Sohn und werden durch ihn [S. 430] weise. Denn so steht im 145. Psalm geschrieben: „Der Herr befreit die Gefesselten, der Herr macht die Blinden weise"13. Und wenn uns der Geist gegeben wird — der Heiland sprach ja: „Empfanget den Heiligen Geist"14 —, so ist Gott in uns; denn Johannes schrieb: „Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns. Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben und er in uns, weil er uns von seinem Geiste gegeben hat"15. Wenn aber Gott in uns ist, so ist auch der Sohn in uns, da der Sohn selbst sagt: „Ich und der Vater werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen"16. Wenn ferner der Sohn Leben ist — er sagt ja: „Ich bin das Leben"17 —, so heißt es von uns, daß wir durch den Geist belebt werden; denn „der", heißt es, „der Christus Jesus von den Toten erweckt hat, wird auch unsere sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in uns wohnt"18. Indem wir aber durch den Geist belebt werden, wird von Christus gesagt, daß er selbst in uns lebt. Denn „mit Christus", heißt es, „bin ich gekreuzigt. Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir"19. Der Sohn sagt weiterhin von den Werken, die er vollbrachte, daß sie der Vater wirke; denn „der Vater selbst", sprach er, „der in mir wohnt, tut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubet mir um der Werke willen"20. In gleicher Weise sagte auch Paulus von dem, was er in Kraft des Geistes wirkte, daß es Christi Werke seien: „Denn ich werde mich nicht erkühnen, von etwas zu reden, was nicht Christus durch mich vollbracht hat, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen, mit Wort und Tat, mit der Kraft von Zeichen und Wundern, mit der Kraft des Heiligen Geistes"21. [S. 431]

1: Jer. 2,13.
2: Bar. 3,10.12.
3: 1 Joh. 1,5.
4: Ps. 64,10,
5: Hebr. 1,3.
6: Eph. 1,17.
7: Joh. 1,9.
8: 1 Kor. 12,13.
9: 1 Kor. 10,4.
10: Röm. 8, 5.
11: Joh. 1,12.
12: 1 Kor. 1,24.
13: Ps. 145,7.
14: Joh. 20,22.
15: 1 Joh. 4,12
16: Joh. 14,25.
17: Joh. 14,6.
18: Röm. 8,11.
19: Gal. 2,19.20.
20: Joh. 14,10.12.
21: Röm. 15,18.19.

 

 

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Einleitung: Vier Briefe an Serapion
Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger