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Athanasius (295-373) - Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (Epistulae ad Serapion)
Erster Brief

17.

Demzufolge ist es wahnwitzig, ihn ein Geschöpf zu nennen. Denn wenn er ein Geschöpf wäre, würde er nicht mit der Trinität verbunden werden. Sie ist ja ganz ein Gott. Es genügt auch zu wissen, daß der Geist kein Geschöpf ist und den geschaffenen Dingen nicht beigezählt wird; denn der Trinität ist nichts Fremdartiges beigemischt, sie ist vielmehr unteilbar und sich selbst gleich. Das genügt den Gläubigen; soweit reicht die menschliche Erkenntnis; hier hemmen die Cherubim mit ihren Flügeln den Ausblick. Wer mehr als das sucht und ergründen will, hört nicht auf den, der spricht: „Suche nicht zu viel auszuklügeln, damit du nicht zu Fall kommst"1. Denn das, was durch den Glauben überliefert ist, darf man nicht nach Art menschlicher Weisheit, das muß man vielmehr durch gläubiges Hören erfassen. Welche Worte könnten denn das, was über die geschaffene Natur erhaben ist, würdig erklären? Oder welches Ohr könnte überhaupt fassen, was Menschen weder zu hören noch zu sagen gestattet ist? So redete Paulus zwar über das, was er gehört hatte, von Gott selbst aber sagte er: „Wie unerforschlich sind seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt und wer ist sein Ratgeber gewesen?"2 Abraham hat daher nicht in vorwitziger Weise über den, der (zu ihm) sprach, eine Untersuchung angestellt, sondern „glaubte, und es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet"3. In diesem Sinn wurde Moses ein treuer (πιστός) Diener genannt4. Wenn aber die Gesinnungsgenossen des Arius, weil ihre boshafte Seele der Weisheit nicht zugänglich ist, die unteilbare und heilige Trinität nicht erfassen und glauben können, so sollen sie doch die Wahrheit nicht verdrehen und nicht behaupten, daß das, was sie nicht begreifen, auch nicht existieren könne. Denn es ist ein höchst törichtes Unterfangen, wenn die Arianer, weil sie nicht begreifen können, wie die Trinität unteilbar sein könne, den Sohn mit der Schöpfung zu einer Einheit verbinden, die Tropiker aber deshalb [S. 427] ihrerseits den Geist unter die Geschöpfe zählen. Wenn sie es nicht begreifen, hätten sie entweder gänzlich schweigen, und nicht die einen den Sohn und die andern den Geist mit den Geschöpfen zusammenstellen sollen, oder sie hätten die Aussage der Schrift anerkennen, den Sohn mit dem Vater verbinden sollen sowie den Geist nicht vom Sohne trennen dürfen, damit die Unteilbarkeit und die wahrhaft gleiche Natur der heiligen Trinität unangetastet bleibe. Das hätten sie einsehen müssen und nicht zweifelnd sich zu der Frage erdreisten dürfen, wie das möglich sei, um sich dann, wenn der Gefragte um die Antwort verlegen wäre, selbst verkehrte Anschauungen zu bilden. Ist es doch allen geschaffenen Wesen, zumal aber uns Menschen unmöglich, über das Unaussprechliche in angemessener Weise zu reden. Noch verwegener aber wäre es, wenn wir für das, was wir nicht auszudrücken vermögen, neue, den Schriften fremde Ausdrücke ersinnen wollten. Geradezu wahnsinnig aber wäre ein solcher Versuch, wenn jemand derlei Fragen stellen oder auch nur daran denken wollte, sie zu beantworten. Denn, selbst wenn jemand auch nur über die geschaffenen Dinge so fragen wollte, könnte man von ihm nicht mehr glauben, daß er bei gesundem Verstande sei.

1: Pred. 7,17.
2: Röm. 11,34.
3: Röm. 4,3.
4: Hebr. 3,5.

 

 

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Einleitung: Vier Briefe an Serapion
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger