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Athanasius (295-373) - Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (Epistulae ad Serapion)
Erster Brief

14.

Was werden sie aber sagen, wenn sie auch den Herrn sprechen hören: „Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und sich um keinen Menschen kümmerte"1. Ist etwa gar, weil er nach Gott von einem Menschen redete, der Sohn dieser Mensch, Um den der ungerechte Richter sich nicht kümmerte? Oder ist etwa, weil er nach Gott den Menschen erwähnte, der Sohn der dritte nach dem Menschen und der Heilige Geist der vierte? Was werden sie dann sagen, wenn sie auch den Apostel in demselben Briefe wiederholt vernehmen: „Ich gebiete dir vor Gott, der alles belebt, und vor dem Herrn Jesus Christus, der vor Pontius Pilatus das herrliche Bekenntnis abgelegt hat, halte das Gebot mit lauterem Sinn und untadeligem Wandel"?2 Zweifeln sie etwa, weil er hier von den Engeln und vom Geist geschwiegen hat, an dem Dasein des Geistes oder an dem Dasein der Engel? Sie zweifeln in der Tat, solange sie sich auf solche Lästerungen einlassen. Wenn sie ferner die Schrift in der Exodos vernehmen: „Das Volk aber fürchtete den Herrn, und sie glaubten Gott und Moses, seinem Diener"3, werden sie dann Moses Gott beizählen und nach Gott nicht den Sohn, sondern Moses denken? Was aber, wenn sie hören, wie der Patriarch Jakob Joseph mit den Worten segnet: „Gott, der mich behütet von meiner Jugend an bis zu diesem Tag, der Engel, der mich aus allen Nöten errettete, möge diesen Knaben segnen"4. Ist etwa der Engel, weil er nach Gott genannt ist, früher als der Sohn, oder wird der Sohn zu den Engeln gezählt? In der Tat, sie werden wieder so urteilen, weil sie ein [S. 423] verderbtes Herz haben. Allein das ist nicht der apostolische Glaube, und ein Christ kann das überhaupt nicht dulden. Denn die heilige und selige Trinität ist ungeteilt und in sich selbst geeint; und wenn der Vater genannt wird, so ist auch dessen Logos dabei, und der Geist im Sohne. Auch wenn der Sohn genannt wird, ist im Sohn der Vater, und der Geist ist nicht außerhalb des Logos. Denn eine ist die Gnade aus dem Vater, die durch den Sohn im Heiligen Geist vollendet wird; eine Gottheit existiert, und ein Gott, der über alles, durch alles und in allem ist. So hat sicherlich auch Paulus, als er sprach: „Ich schwöre vor Gott und Jesus Christus"5, gewußt, daß der Geist vom Sohne nicht zu trennen, sondern auch selbst in Christus sei, wie der Sohn im Vater. Ganz treffend fügte er aber die auserwählten Engel bei; daran sollte der Schüler, dem der Schwur galt, erkennen, daß das, was von Gott gesprochen wird, im Geist gesprochen ist, daß die Engel in unseren Angelegenheiten Dienste leisten und eines jeden Handlungen beaufsichtigen. Darum soll er die Mahnungen des Lehrers in dem Bewußtsein befolgen, daß er bei seinen Worten beobachtende Zeugen habe. Aber vielleicht schwört er hier bei den Engeln, die beständig das Angesicht des Vaters im Himmel schauen, um der Kleinen in der Kirche willen, damit der Schüler die Beschützer der Völker erkenne und die Mahnungen des Apostels nicht vernachlässige.

1: Luk. 18, 2.
2: 1 Tim. 6,13.
3: Exod. 14,31.
4: Gen. 48,15.
5: 2 Tim. 4,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger