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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch

III. Kapitel

16.

1. Denn auch der Hoffende ebenso wie der Glaubende sieht im Geiste das Geistige und das Zukünftige. Wenn wir daher davon sprechen, daß es etwas Gerechtes oder auch etwas Gutes gibt, aber auch wenn wir etwas Wahrheit nennen, so haben wir1 doch nie etwas dergleichen mit unseren Augen gesehen, sondern immer nur im Geiste.2 Der Logos Gottes aber sagt: "Ich bin die Wahrheit";3 also muß der Logos mit dem Geiste geschaut werden.

2. "Wen meinst du, sagte er, mit dem Ausdruck 'die wahren Philosophen'? - Diejenigen, sagte ich, die die Wahrheit zu schauen sich sehnen."4

3. Im Phaidros aber redet Platon über die Wahrheit als eine Idee und erläutert dies.5 Die Idee ist aber ein Gedanke Gottes,6 den die Barbaren das [S. 131] Wort Gottes genannt haben.

4. Die Stelle lautet aber wörtlich so: "Denn man muß ja versuchen, das Wahre zu sagen, zumal wenn man über die Wahrheit spricht; denn das wirkliche Wesen der Seele, das farblos und gestaltlos und unkörperlich ist, kann nur von ihrem Lenker, dem Geist, geschaut werden."7

5. Nachdem aber das Wort hervorgetreten war, wurde es Urheber der Schöpfung; dann erzeugt es aber auch sich selbst,8 wenn "das Wort Fleisch wird",9 damit es auch geschaut werden könne.10

6. Der Gerechte wird also ein von Liebe erfülltes Finden suchen und ist glücklich, wenn er auf dem Wege dazu ist. Denn es heißt: "Dem, der anklopft, wird geöffnet werden; bittet, und es wird euch gegeben werden."11

7. Denn von den "Gewalttätigen", die das Himmelreich an sich reißen,12 ist nicht gesagt, daß sie es mit streitsüchtigen Reden, sondern daß sie es mit der Stetigkeit eines rechtschaffenen Lebenswandels und unablässigen Gebeten13 erzwingen, nachdem sie die von den früheren Sünden ihnen anklebenden Flecken von sich abgewischt haben.

8. "Aber die Schlechtigkeit kannst du in Haufen überall finden."14
"Wer sich bemüht, dem steht auch Gottes Hilfe bei."15
"Denn der Musen schwerumkämpfte
Gaben liegen nicht für jeden
Offen, zum Nehmen bestimmt."16

1: Ich tilge (xxx) nach (xxx).
2: Vgl.Platon, Phaidon p. 65 D.
3: Joh 14,6.
4: Platon, Staat V p. 475 E.
5: Vgl. vielleicht ebd., Phaidros p. 246 A. Am Schluß des Satzes ist wohl eine Lücke im Text anzunehmen.
6: Vgl. vielleicht ebd., Parmenides p. 132 B.
7: Platon, Phaidros p. 247 C.
8: Vgl. Marc. Anton. VI 8; G. Rauschen, Anm. zur Übersetzung von Justinus, Erste Apologie 33 (in dieser Sammlung 1. Reihe 12. Band S. 101).
9: Vgl. Joh 1,14.
10: Vgl. Qis div. salv. 37,1.
11: Vgl. Mt 7,8.7.
12: Vgl. Mt 11,12.
13: Vgl. 1Thess 5,17.
14: Hesiodos, Werke 287.
15: Euripides, Erster Hippolytos Fr. 432; vgl. Strom. VI 10,6.
16: PLG Adesp. 86 B = Bakchilydes Fr. 37 A Blaß.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger