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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Propheten Jonas und die Busse der Niniviten. (Jonas 3,2. 3.)

43.

„Den Typus des viergesichtigen Götzen erfand Micha 1. Der ehernen Schlange spendete in unserem Lande niemand Trankopfer, niemand betete sie an; aber auf diesem Volke ruht der Fluch der alten Schlange. Wie die lebendige Schlange sind sie verflucht, weil sie der toten Schlange Trankopfer spenden 2. Wir haben den Dämonen keine Kinder geopfert, allein hier sehen wir solche geschlachtet werden. Bei uns wurden Tiere geopfert, hier werden dagegen ihre Töchter geopfert. Das Volk, das solche [ausgezeichnete] Satzungen hat, dessen Sitten sind so schlecht; das Volk, das solche Gesetze hat, dessen Taten sind so schimpflich; das Volk, das solche Ahnen hat, dessen Nachkommenschaft ist so fluchwürdig; das Volk, das einen solchen Gott hat, ist eine Quelle von Götzenbildern geworden; das Volk, das nur einen Bildner [Schöpfer] hat, fertigt Götzenbilder an und handelt damit. Nur auf Namen bilden sie sich etwas ein, weil sie nämlich Söhne der Gerechten genannt werden. Sie meinen, es genüge für sie, Söhne Jakobs zu heißen. Diese Toren meinen, durch den Namen ’Gerechte’, den sie tragen, gerechtfertigt zu sein. Ihr Name überflutet allerdings die ganze Welt, aber ihre Werke überfließen von Sündhaftigkeit. Wegen Abrahams meinen sie, Söhne der Gerechten zu sein. All ihr Stolz beruht nur auf Namen, weil sie nämlich den Namen Israels führen. All ihr Ruhm besteht darin, daß sie beschnitten sind, mögen sie auch noch so sündhaft sein. Ihre Sitten sind aber nicht derart, wie sie Abrahams Söhnen zukommen würden. Viel gilt ihnen der Name Abrahams, viel seine Beschneidung, viel mehr als sein Glaube. Der Sabbat, den ihnen Gott gab, gilt ihnen mehr als Gott selbst. Ja, sie tadeln sogar Gott, wenn er seine Gesetze abschafft. Sie schreiben also dem Gesetzgeber ein Gesetz vor. Sie leben ohne Gesetz, aber Gott soll unter dem Gesetze stehen; denn sie schätzen das Gesetz höher als den Gesetzgeber. Es liegt ihnen nichts daran, sein Gesetz zu halten, viel aber, dessen Geber zu tadeln. In ihren Augen bedeuten Moses und die Propheten weniger als der Opferkult. In den Opfern besteht all ihr Ruhm, der Opferduft ist ihr Stolz. Diese Stolzen sind zufrieden, wenn sie sich mit Rauch brüsten können; diese Blinden sind zufrieden, wenn sie sich mit Blut und Schmutz besudelt haben. Nach ihrer Ansicht liebt der Herr den Opferduft mehr als die lautere Wahrheit, die er gelehrt hat.“

1: Richter 18,2 ff. und 2 Chron. 33,7 in der Peschito. Siehe Näheres über diesen Götzen oben S. 30 [I. Rede über den Glauben Nr. 51 Anm.1].
2: Im Tempel wurde zeitweise eine eherne Schlange [nechustan] verehrt. König Ezechias machte diesem Götzendienste ein Ende [4 Kön. 18,4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger