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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Propheten Jonas und die Busse der Niniviten. (Jonas 3,2. 3.)

42.

Beim Anblick solcher Verkommenheit wurden die Niniviten von Schauder und Entsetzen ergriffen. Einer sagte zum andern: „Schauen wir denn ein Traumgesicht? Ist dieses wirklich das Land der Verheißung oder schauen wir Sodom? Ist dieses der Same Abrahams oder trafen wir vielleicht auf Dämonen? Schauen wir denn Menschen oder schattenhafte Geister? Hat sich denn die Verkommenheit, die aus unserem Lande entwich, hierher gewendet? Sind denn die Götzen, die wir dort zerbrochen haben, hier wieder aufgestellt worden? Haben denn die Altäre, die wir zerstörten, Flügel erhalten und sind hierher geflogen? Wie kommt es, daß die Pest [die Verkommenheit], die in unserem Lande aufgehört hat, hier erstrebt wird? Wie kommt es, daß der Stern 1, dem wir abgeschworen haben, hier angebetet wird? Die Wahrsagerei, die in unserem Lande abgetan ist, nimmt hier breiten Raum ein. Aus allen Fenstern schaut das Heidentum, das von uns wegzog. Auf ihre Türen malten sie die Tierkreiszeichen, die wir getilgt haben. Auf ihren Stirnen wohnt die Flatterhaftigkeit, die wir verschmäht haben, und die Geilheit, die von uns floh, lagert auf ihren Augen; man sieht sie in ihren Augensternen und nimmt sie sogar an ihren Nasenflügeln wahr. Wie kommt es, daß die Sonne, die dort nicht mehr angebetet wird, hier verehrt wird? Wie kommt es, daß die Kälber, welche dort verachtet werden, hier angebetet werden? Wenn wir von diesen Sachen sagen, sie seien von unserem Lande hierher geflohen, so kommen dazu noch viele andere neue Dinge und unzählige Schändlichkeiten; denn hier gibt es Schlechtigkeiten, die man in unserem Lande nicht kennt; Sünden geschehen hier, die in unserem Lande nicht begangen wurden.

1: Gemeint ist die Venus.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger