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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Propheten Jonas und die Busse der Niniviten. (Jonas 3,2. 3.)

28.

Auch der Tag gürtete sich dort mit Dunkelheit wie mit Bußsäcken; die Luft verdüsterte sich, und der Himmel geriet in Aufruhr. Das Gewölk hüllte sich in Dunkel, und dichte, tiefe Finsternis trat ein. Krachen folgte auf Krachen, ein Donnerschlag dröhnte dem andern entgegen, ein Blitz schlug den andern, so daß die Herzen bangten und bebten. Da richtete jeder seinen Blick auf den Boden in der Erwartung, daß er sich umkehren würde. Alle weinten zusammen als solche, die plötzlich dahingerafft werden sollten. Jeder beweinte seinen Bruder, jeder wehklagte über seinen Freund, jeder rief nach seinem Genossen, um ihn noch einmal zu sehen und sich an seinem Anblicke zu sättigen, um das letzte Wort mit ihm zu wechseln und dann vereint ins Totenreich hinabzusinken. Als der Termin zu Ende ging, standen sie insgesamt auf der Stufe zum Tode, sich gegenseitig festhaltend. Es kam der Tag, wo die Hoffnung schwinden und das Strafgericht eintreten sollte. Es kam die Nacht, welche auf die sechs Wochen folgte. Unter Tränen sannen sie darüber nach, zu welcher Stunde die Stadt untergehen würde, ob sie am Abend zerstört oder ob sie am Morgen umgestürzt würde, in welcher Nachtwache ihr entsetzlicher Schreckensruf erschallen würde. Sie erwarteten, daß die Stadt am Abend umgestürzt würde; der Abend kam, und sie stand noch. Sie erwarteten, in der Nacht verschlungen zu werden; aber sie überlebten die Nacht. Sie erwarteten, in der Finsternis unterzugehen; die Finsternis ging vorüber, und sie waren unversehrt. Sie erwarteten, daß die Stadt am Morgen umgestürzt würde; der Morgen kam und gab große Hoffnung. Als sie zugrunde zu gehen glaubten, ward ihnen plötzlich Rettung zuteil. Jeder sah seinen Genossen wieder und begrüßte ihn mit Freuden. Aber während dieser vierzig Tage hatte die Erde unausgesetzt gebebt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger