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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Propheten Jonas und die Busse der Niniviten. (Jonas 3,2. 3.)

25.

Dieser Hebräer hatte nun seine Erfahrung unter den Heiden gemacht und legte daher die Verwunderung darüber ab, daß der [heidnische] Priester 1 den Moses and die Witwe den Elias aufgenommen hatten und daß David, als ihn Saul verfolgte, bei den Heiden ehrenvoll behandelt worden war. Er befürchtete jedoch, daß er, der abgesandte Bote, als Lügner angesehen werde, da er wahrnahm, daß seine Ankündigung [des Untergangs] durch die Buße vereitelt werde. Er sah, wie die Töchter der Heiden den Götzen ihrer Väter entsagten, und beweinte die Töchter seines Volkes, die den Tammuz 2 beweinten. Er sah, wie in Ninive die Wahrsager und die Beschwörer ausgerottet wurden, wie dagegen in Judäa die Zauberer mit den Sterndeutern umherzogen. Er sah, wie die Götzenpriester mit eigenen Händen die Altäre Assyriens zerstörten, und sah, wie in Sion jeder vor seiner Türe einen Altar errichtete. Jonas sah, wie Ninive gleich einer Kirche seine Kinder, versammelte, wie die ganze Stadt sich reinigte und wie in ihr ein großartiges Fasten gehalten wurde; den hl. Tempel in Sion hatte man dagegen zu einer Räuberhöhle gemacht. Den König von Ninive sah er den [wahren] Gott anbeten, den Jeroboam 3 aber sah er Kälber anbeten. Die Niniviten stellten ihre Kleinen in Reihen unter Wehklagen vor Gott auf, die Hebräer aber opferten ihre Söhne und schlachteten ihre Töchter den Teufeln zu Ehren. Die Niniviten spendeten Gott auch ihre Tränen mit Fasten, die Hebräer dagegen spendeten ihren Götzenbildern ihre Weine. Von den Niniviten stieg der Duft trauernder Mienen empor, in Sion aber dufteten der Wohlgeruch und der Weihrauch der Götzen. Das [hebräische] Volk schnitt sich die Hoffnung ab, für die Heiden aber vermehrte sie sich. Bei den Juden herrschte Ausgelassenheit, bei den Niniviten Verdemütigung. In Judäa war die Bosheit, in Ninive die große Trauer offenkundig. Sonst beweinen die Lebenden die Gestorbenen; die Niniviten aber beweinten die Lebenden, jeder beweinte seinen Sohn und wehklagte über seinen Verwandten. Die Schönheit der Frauen ward durch Weinen und Fasten entstellt. Jeder küßte [zum Abschied] seinen Freund und weinte an seiner Brust.

1: Raguel bezw. Jethro, Exod. 2,20 f.
2: d. i. Adonis.
3: Jeroboam II., König von Israel, unter dem Jonas weissagte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger