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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Propheten Jonas und die Busse der Niniviten. (Jonas 3,2. 3.)

15.

„Sein Wort wurde uns zum Spiegel, in dem wir unsere Schandflecken sehen können. In ihm sehen wir Gott, wie er wegen unserer Missetaten droht; in ihm sehen wir die Gerechtigkeit, wie sie über unsere Sünden zürnt; in ihm sehen wir unsere Stadt, wie das Strafgericht über sie kommt; in ihm sehen wir seine Predigt, wie sie aus gerechtem Munde hervorgeht; denn es ist keine Spiegelfechterei oder listige Wortmacherei. Wenn er uns Frieden verkündigt hätte, dann könnte man annehmen, daß er ein Spiegelfechter sei, um durch die gute Kunde, die er verkündet, einen guten Lohn zu erhalten; denn wer Gewinn liebt, dessen Verheißung ist herrlich. Die Versprechungen des Wahrsagers sind verlockend, weil er habgierig ist. Der Sterndeuter stellt ein günstiges Horoskop, weil er hungrig ist. Um von dem Toren viel zu erhalten, verspricht er ihm ein Los des Reichtums. Nicht daß er ihm etwas geben wollte, geschweige daß er ihm etwas wirklich geben würde, sondern durch das Versprechen des Reichtums ködert er ihn, um ihm auch das, was er besitzt, abzunehmen. Der Arzt dagegen ist durch und durch wahrhaftig, er sagt dem Kranken die Wahrheit. Er tritt in das Haus des Kranken und verkündet ihm das Urteil. Er kündigt ihm in seinem Zimmer das schmerzliche Brennen mit Feuer an. Er scheut sich nicht, jedem Patienten, wer er auch sei, das Ausreißen eines Backenzahnes in Aussicht zu stellen. Er scheut sich nicht einmal vor dem König, ihm seine Meinung zu sagen. Ebensowenig scheut er sich, einem Prinzen eine scharfe Arznei einzugeben. Er hat keine Furcht vor einem Gefürchteten, sondern er bindet und operiert ihn. Nicht zittert er vor einem Helden, sondern schwächt seine Kraft durch Brennen. Wer könnte also den Propheten, der das Strafgericht verkündet hat, einen Lügner nennen? Er ist ja kein Betrüger, wenn auch seine Stimme in Verwirrung setzt. Wenn auch seine Stimme gewaltig ist, so ist doch seine Gesinnung aufrichtig.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger