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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Propheten Jonas und die Busse der Niniviten. (Jonas 3,2. 3.)

14.

„Verachten wir daher, meine Brüder, die Stimme des Hebräers Jonas nicht! Es geziemt uns nicht, diese Predigt auf die leichte Achsel zu nehmen; sondern wir wollen sie mit Verständnis betrachten und von allen Seiten ins Auge fassen. Ich wenigstens geriet durch die Stimme seiner Predigt in große Angst. Man hält sie zwar [vielfach] für Vermessenheit, ja für Wahnsinn sieht man sie an. Will ihn [den Jonas] aber jemand für einen Narren erklären, so möge er doch beachten, daß er einen reichen Vorrat weiser Lehren in sich birgt, daß er Verstand und Einsicht sein eigen nennt, weil in ihm ein Born der Weisheit quillt. Sein Äußeres ist zwar verächtlich und gewöhnlich, aber seine Rede ist erhaben und ehrwürdig. In eurer Gegenwart richtete ich an ihn beliebige Fragen, um seine Aussprüche wie in einem Feuerofen zu prüfen. Er geriet weder in Furcht noch in Angst; er zögerte nicht, kam auch nicht in Verlegenheit. Er modifizierte den Ausspruch seines Mundes nicht, denn dieser ist mit der Wahrheit verbunden; er wich nicht von seinem Thema ab, denn sein Gedächtnis ist sehr treu. Ich versuchte es mit Schmeicheleien, er aber ließ sich nicht betören; ich versuchte es mit Drohungen, er aber blieb kalt. Ich bot ihm Reichtum an, er aber lachte darüber; ich zeigte ihm das Schwert, aber dieses verachtete er noch viel mehr. Das Schwert und das glänzende Angebot ließen ihn kalt. So mancher läßt sich durch das Gold betören, andere werden durch das Schwert in Schrecken gesetzt; ihn aber schreckte die Strafe nicht, noch reizte ihn das Gold. Wir haben diesen Hebräer zwischen Schmeicheleien und Drohungen gestellt, er aber entzog sich beiden, indem er beide verachtete. Ich zeigte ihm Reichtum, er aber lachte darüber, und über das Schwert verzog er spöttisch die Lippen. Die Liebe zum Golde wurde überwunden und die Furcht vor dem Tode zuschanden gemacht. Jedes Wort, das er sprach, gleicht einem Schwerte, das Felsen zerschlägt. Meine Macht fürchtete er nicht, und auf meine Majestät nahm er keine Rücksicht. All unsere Herrlichkeit achtete er wie auf dem Boden liegenden Kot; denn unseren Reichtum verschmähte er gänzlich, und unser Schwert verachtete er vollständig. Er hatte seine Stirne zu Erz gemacht, als er in unser Land kam; daher konnte ihn nichts bewegen, auf unsere königliche Würde Rücksicht zu nehmen,

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger