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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „Wehe uns, dass wir gesündigt haben!“ (Klagel. 5,16.)

6.

Am Tage des Gerichtes hat jeder Angst; denn jeder empfindet an jenem Tage Reue, die große Schar der Vollkommenen allein ausgenommen, Schon dem, der nur hinter ihnen zurückblieb und das Maß der Vollkommenen nicht erreichte, macht das Gewissen darüber Vorwürfe, daß er jenen nicht gleich geworden ist; denn alle Klassen von Menschen, welche die Stufe der Vollkommenen nicht erreichten, betrüben sich darüber, daß sie den Oberen nicht gleich geworden sind. Ich aber und meinesgleichen, o Brüder, wir bedauern dort nicht so sehr, daß wir des Reiches verlustig gehen, sondern wir rufen in großer Pein und mit kläglichem Stöhnen, daß wir doch wenigstens vor dem Feuer bewahrt werden möchten; denn anders ist der Kummer dessen, der die Güter des Reiches verloren hat, und anders ist das Leid dessen, der von Martern gepeinigt wird und vor Schmerzen aufschreit. Wenn dann schon jener, der das Maß der Vollkommenen nicht erreicht hat, dort Reue empfindet, was werden erst wir, die im Feuer gepeinigt werden sollen, an jenem Tage beginnen? Den Beweis dafür, daß das Feuer, von dem die Hl. Schrift redet, heftig ist, entnehme ich von dem irdischen Feuer und seiner bitteren Glut; denn sicher bereitet das jenseitige Feuer denen, die in dasselbe geworfen werden, eine viel größere Pein als das Feuer dieser Welt. Ich weiß, daß das Feuer jener Welt viel härter zu ertragen ist als das diesseitige. Das muß jeder ohne Widerrede bestätigen und glauben. Wenn das diesseitige Feuer auch heftig ist, so ist doch mit seiner Glut auch sein Glanz verbunden; das jenseitige dagegen verzehrt und ist dabei schreckliche Finsternis und Nacht. Das diesseitige verzehrt nur, solange es Nahrung hat, und wenn es den Vorrat aufgebraucht hat, dann erlischt, verglimmt und verschwindet es. Jenes nie erlöschende Feuer verzehrt seine Nahrung nicht; denn nicht zu vernichten, sondern zu martern und zu peinigen ist ihm geheißen. Das Feuer dieser Welt verbreitet während des Brennens auch Glanz; allein jenes brennt, indem Finsternis und Zähneknirschen mit ihm verbunden sind. Es frißt, zerstört, vernichtet in lichtlosem Dunkel, es peinigt, ohne je zu erlöschen; denn nach dem Ausspruche der Hl. Schrift dauert es ewig.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger