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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „Wehe uns, dass wir gesündigt haben!“ (Klagel. 5,16.)

2.

Vernehmet nun, meine Brüder, welches diese Dinge sind, die mich so erschrecken, und erschrecket und zittert auch ihr; denn sie sind für jeden überaus schrecklich! Die Last der Schulden, die ich mir aufgehäuft, und die Gerechtigkeit, welche dafür Rechenschaft fordert: diese sind es, von denen ich sagte, dass sie mich aufregen und erschüttern. Das große Verzeichnis meiner Schulden und das fürchterliche Gericht der Gerechtigkeit sind die zwei Dinge, welche meinen Geist beunruhigen und mich in Bestürzung versetzen. An das Unrecht, das ich in meiner Nachlässigkeit verübte, und an die Strafen, die meiner warten, denke ich, und deshalb zittern meine Gebeine und befallen mich Furcht und Schrecken. An die schwere Bürde meiner Sünden und an ihre entsetzliche Strafe erinnere ich mich in meinen Gedanken, und deshalb bemächtigt sich Furcht meiner Glieder. An die Vergehen, die ich verübt, denke ich und an die Vergeltung, die meiner wartet, und deshalb bemächtigt sich Jammer meiner Gedanken, und Leid und Furcht erschüttern mich. Dies sind, wie gesagt, die zwei bitteren Erinnerungen, welche sich in mir erheben, mich in Furcht setzen und meinen Gebeinen Schrecken einjagen. Dies sind die Erinnerungen, die in mir aufsteigen und mir Schauder erregen, die mich von allen Seiten verwirren und mein Herz tief betrüben. Das Gewissen mahnt mich in meinem Innern an meine Missetaten, stellt sie vor mir in Reihen auf und flößt so meinen Gliedern Schrecken ein. Es ruft mir die Verschuldungen meiner Jugend und die in mir verborgenen Geschwüre der Unsittlichkeit ins Gedächtnis zurück und läßt dadurch meine Augen von Tränen überfließen und erfüllt vor Furcht und Entsetzen meine Gedanken mit Betrübnis. Dabei denke ich tagtäglich an die Verfehlungen in den Tagen meiner Kindheit; denn von all dem, was ich auf der Welt beging, bleibt meinen Augen nichts verborgen. Ich denke an die Missetaten, die ich in der Zeit meiner Jugend verübte, und denke zugleich an die Gerechtigkeit und rufe Wehe über mich selbst. Ich denke an alle meine Schandflecken und zugleich an das furchtbare Gericht, das meiner wartet, und die Seufzer ersticken meinen Geist; denn wohin soll ich gehen? Ich denke an das, was ich mir gesät habe und was ich einst dafür ernten werde. Ich gedenke des Tages der Vergeltung, und es ergreifen mich Angst und Schrecken.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger