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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „Wehe uns, dass wir gesündigt haben!“ (Klagel. 5,16.)

12.

Es ist in Wahrheit so, o Sünder, wie ich sagte: grausam und bitter ist die Pein, welche der Übeltäter wartet. Im furchtbaren, unauslöschlichen Feuer und vom unsterblichen Wurme werden, wie die Schrift sagt 1, die Sünder gepeinigt, wenn am Ende das Gericht stattfindet. „Wisse aber auch dies, o Sünder“, spricht die Buße weiter zu mir, „daß es nicht in meiner Macht steht, dem Sünder im Jenseits irgendwie nützen zu können. Wer mich hier nicht hört und nicht unter meinen Flügeln Schutz sucht, dem vermag ich auch dort in jener Welt nicht mehr zu helfen. Dort werde ich nicht mehr zugelassen, für den Sünder Fürbitte einzulegen, der hier nicht zu mir eilte und unter meine Flügel flüchtete. Darum rate ich dir, o Sünder, zu deinem Heile dieses: Komm zu mir, solange du noch in dieser Welt bist, und du wirst durch mich leben! Ich bitte für dich bei seiner Gnade um Verzeihung deiner Schulden und rühre sie [die Gnade Gottes] durch meine Tränen, daß sie die Gerechtigkeit um Schonung anflehe. Ich trete mit dir vor die Gnade hin, um abzubitten, und beschwöre sie mit Tränen, daß sie um Erbarmung für deine Makeln anhalte, Ich vertraue auf die Gnade, sie werde meine Fürbitte für dich hören und sofort hingehen, um die Gerechtigkeit deinetwegen zu besänftigen. Ja, die Gnade faßt selbst deine Hände, o Sünder, unsichtbar und tritt fürbittend vor die Gerechtigkeit und redet sie mit folgenden Worten an: ,O über alles furchtbare Gerechtigkeit, schau doch diesen Büßer an! Wohl war er ein Sünder und Befleckter, allein jetzt ist er zum Büßer geworden. Schau ihn an, wie er in Schauder, Furcht und Beschämung über seine früheren Sünden dasteht und mit Seufzen dich um Vergebung anfleht! Schau auf seine Seufzer und Tränen, auf seine Reue und sein Herzeleid und laß ihm alle seine Fehltritte nach, wenn er nie mehr zu ihnen zurückkehrt! Schau ihn an, wie er vor Traurigkeit seines Herzens in Verzweiflung zu fallen im Begriffe steht! Wird er bei dem Falle nicht ermutigt, so geht er verloren. Reiche ihm also die Hand und laß ihn den Ruf der Vergebung hören, auf daß er sich eilends erhebe in der Hoffnung, aufgenommen zu werden, wenn er zu dem barmherzigen Herrn zurückkehrt.’“

1: Mark. 9,47; Is. 66,24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger