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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „Wehe uns, dass wir gesündigt haben!“ (Klagel. 5,16.)

10.

Während aber mein Inneres bei dieser schmerzlichen Erwägung fiebert, dringt eine andere Regung auf mich ein und entfernt aus meinem Herzen die Trauer. Heimlich erhebt sich in meinem Sinn ein ermutigender Gedanke, erteilt mir einen guten Rat und bietet mir die Hand zur Hoffnung. Ich sehe im Geiste die Buße ermutigend vor mir stehen, wie sie mir eine tröstliche Verheißung ins Ohr flüstert. Ermutigend spricht sie zu mir: „Wenn du dich als Sünder darüber betrübst, daß die Reue unnütz sei, wozu betrübst du dich dann, o Sünder, [über deine Sünden]?“ [Darauf erwidere ich:] „Eben deshalb, weil Reue und Tränen ohne irgendeinen Gewinn mich brennen und martern, gerate ich beim Anblick meiner Sündenmenge in Verzweiflung.“ „Vernimm, o Sünder“ , flüstert mir wieder die Buße ins Ohr, „ich will dir eine sehr heilsame Lehre und einen lebenspendenden Rat geben. Höre mich an, ich will dir zeigen, wie du auf die rechte Weise trauern mußt, damit der Schmerz dir zum Nutzen gereiche und dein Weinen dir Hilfe bringe. Falle nicht in Mutlosigkeit und überlasse dich nicht der Verzweiflung! Laß beim Anblicke deiner Verschuldungen den Mut nicht sinken und übersieh deinen Vorteil nicht! Gütig und huldreich ist ja dein Herr; er sehnt sich, dich an seiner Pforte zu sehen und freut sich über dich, wenn du dich bekehrst, und nimmt dich mit Freuden wieder auf. Deine große Schuld kommt nicht einmal dem kleinsten Tröpflein seiner Barmherzigkeit gleich; er reinigt dich von der Sünde, welche in dir herrscht, durch seine Gnade. Das Meer deiner Sünden vermag nicht den leisesten Hauch seiner Erbarmung zu überwinden, ja selbst die Ungerechtigkeit der ganzen Welt überwältigt nicht das Meer seiner Gnade.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger