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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „der Sünder werde hinweggenommen, damit er Gottes Herrlichkeit nicht schaue!“ (Js. 26,10.)

1.

Wer in den hl. Schriften liest und ihre Worte aufmerksam hört, der versteht den Sinn ihrer Aussprüche, wenn sein Geistesauge lauter ist. Erschütternd und schrecklich ist die Stelle, die uns soeben aus der Hl. Schrift vorgelesen wurde. Zuhörern, welche sie mit Verständnis anhören, flößt sie Schrecken ein. Sie enthält eine fürchterliche Sentenz, die über den Sünder ergeht: „Der Sünder“, so lautet sie, „werde hinweggenommen, damit er die Herrlichkeit des Herrn nicht schaue!“ Es werde also der Gottlose dahingerafft an den Ort, wo kein Lobgesang ertönt! Aber alles ruft zu Gott und verkündet täglich seine Herrlichkeit; selbst die sprachlosen Geschöpfe unterlassen es nicht, ihn zu preisen. „Die Himmel erzählen seinen Ruhm und das Firmament das Werk seiner Hände“ 1. Die Erde ruft sein Lob aus, und das Meer ist ein Herold seiner Wundermacht. Nichts gibt es, das nicht den Ruhm Gottes, seines Herrn, erzählen würde, selbst die kleinste Mücke verkündet die Herrlichkeit ihres Herrn. Wohin kann also der Sünder kommen, daß er die Herrlichkeit des Herrn nicht schaue? An welchen Ort soll man ihn stürzen, damit er von seinem Lobe entfernt sei? Wenn er in den Himmel hinaufsteigt, dann schilt ihn dieser und nimmt ihn nicht auf. Wenn er auf der Erde bleiben will, so gestattet sie es ihm nicht. Wenn er sich ins Meer stürzt, so wirft es ihn aus. Daher glaube ich, meine Freunde, daß er aus der Welt hinaus in jene äußerste Finsternis wandern muß, die voll Furcht und Schaudern ist, wohin kein Loblied dringt und wo kein Ruhm verkündigt wird, weil sie fern von Gott ist und er dort seine Verherrlichung nicht gestattet. Die Qualen und Seufzer, die Bedrängnisse und Peinen, der unaufhörlich verzehrende Wurm und das unablässig brennende Feuer verschließen den Mund der Sünder jedem Rühmen und Preisen. Ihr Elend läßt sie weder sehen noch hören, ihr zähneknirschender Mund vermag keinen Laut des Lobes von sich zu geben, und ihre Zunge kann nur Wehe über Wehe kreischen, aber keine Silbe eines Preises hervorbringen. Die Augen voll Finsternis sehen das Licht der Glorie nicht. Wem der Wurm an den Gliedern nagt, der denkt nur an seinen Jammer, und wen die Hölle brennt, der sieht nur ihr Feuer.

1: Ps. 18,2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger