Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „alles ist Eitelkeit und Geistesplage!“ (Pred 1,14.)

7.

Nicht schlafe der Zorn in deiner Seele; wenn er einmal darin schläft, dann läßt er sich nur schwer daraus entfernen. Nicht bringe er die Nacht bei dir zu, nicht gäre er, nicht bleibe er, nicht ruhe er dort; denn wenn der Zorn in der Seele gärt, dann verdirbt, verwirrt, verpestet und besudelt er sie, so daß sie nur mehr zum Schlechten taugt. Ein schlechter Sauerteig verpestet, wenn er in den Teig hineingerät, die ganze Masse, und der Zorn läßt, wenn er in der Seele Wohnung genommen hat, seinen schlechten Geschmack in ihr zurück. Giftig sind Viper und Natter, aber der Zorn ist noch viel schlimmer als sie. Er richtet die Seele zugrunde und tötet sie, indem er sie von Gott entfernt. Wenn du eine Schlange in deinem Hause erblickst, so machst du Jagd auf sie und tötest sie; aber der Zorn, der dich tötet, wohnt in deiner Seele und du vertreibst ihn nicht. Wenn du eine Schlange liegen siehst, so hast du Angst vor ihr, sie möchte dich beißen; aber der Zorn, der tödliches Gift in sich trägt, darf ruhig in deinem Sinne hausen. Dringt eine Schlange in deinen Busen, so befällt Zittern deine Glieder; dein ganzes Herz aber ist eine Höhle voll von Nattern geworden. Wo eine Natter hinhaucht, da wird das Fleisch krank und geht zugrunde, und wo der Zorn wohnt, da findet sich verderbenbringendes Gift. Du fürchtest dich, von einer Schlange gebissen und von einem Skorpion gestochen zu werden; aber vor dem Bisse des Zornes fürchtest du dich nicht, und vor dem Stiche des Hasses hast du keine Angst. Wer wünscht wohl, daß eine Natter zu ihm komme und sich bei ihm verberge? Wer ruft wohl eine Schlange herbei, daß sie in seinen Busen krieche und dort weile? Aber während du diese Tiere nicht leiden magst, wünschest du schlimmere als sie herbei, den Zorn, der ärger ist als eine Natter, und den Haß, der ärger ist als eine Schlange. Wegen eines unbedachten, vom Teufel zugeflüsterten Wortes öffnest du dem Zorne die Türe angelweit, damit er in deine Seele einziehe und dort wohne. Weil dein Nebenmensch mit dir um elende Vorteile streitet, rufst du den Haß herbei, daß er in deinen Busen einziehe und dort lagere. Wenn der Zorn bei dir bellt und wie ein Hund geifert, so wirf die Friedfertigkeit wie einen Stein auf den Zorn und wehre ihm so das Bellen! Beschwichtige ihn durch Heiterkeit und zeige Lachen und nicht Ärger! So wird dann der Zorn verhindert, zwei Seelen zugleich zu vernichten.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Bilder Vorlage

Navigation
. . Vorbemerkung.
. .
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger