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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „alles ist Eitelkeit und Geistesplage!“ (Pred 1,14.)

6.

Geleite dein Leben in Frieden und versieh’ es mit guter Wegzehrung, damit es zu Gott versammelt werde! Dort wirst du es nach seinem Ende wieder finden, wenn du rechtschaffen lebst. Lebst du aber schlecht, so wird dein Leben weggerafft und geht verloren, und du wirst es suchen, aber nicht mehr finden. Auf die Erde ausgeschüttetes Wasser kannst du nicht trinken; gießt man es aber in ein Gefäß, dann steht es für dich zum Trinken bereit. Verbringe dein Leben nicht in Zorn und Haß, vergeude es nicht unwiederbringlich in Raub und Ungerechtigkeit; mach’ es nicht durch Unzucht und Dieberei stinkendem Wasser gleich, so daß es die Erde verschlingt und kein Auge es mehr erblickt! Richte nicht dein Leben durch Neid und Hinterlist, durch Grimm und Groll, durch irgendeine Bosheit zugrunde, damit du nicht ein wahrhaft Toter seiest, dem sein Leben verloren ging! Nichts ist ja dem Menschen lieber als das Leben; denn er gäbe die ganze Welt für das Leben hin, wenn es möglich wäre. Jage daher den guten Bestrebungen nach, auf daß sie dir als Kanäle dienen, damit dein Leben, mag es auch vorübergehen, nach seinem Verlaufe in Gott stille stehe! Leite das Bächlein deines Lebens zu Gott hin, damit es dir, nachdem es hier versiegt ist, dort ein Meer des Lebens werde! Du nennst in der vergänglichen Welt ein Lebensflüßchen dein eigen; leite es zu Gott hinüber, auf daß es ein Ozean des Lebens werde! Tag für Tag strömt dein Leben dahin und verrinnt; ergieß es in Gott, damit du es auf ewig findest! Nicht mache der Zorn dein Leben dahinschwinden und nicht richte es die Sünde zugrunde, so daß du völlig tot wärest, weil gänzlich des Lebens beraubt! Wenn der Zorn in einer Seele wohnt, so vernichtet er das Leben eines Tages. Laß ihn nicht auf den nächsten Tag übergehen, damit er nicht dein ganzes Leben vernichte! „Es genügt dem Tag sein Böses“ 1, wie unser Heiland gesagt hat; es genügt also, wenn der Zorn das Leben auch nur eines einzigen Tages vernichtet. Der Zorn übernachte nicht in deiner Seele, und die Sonne gehe nicht unter, ohne daß er sich entfernt hätte! 2 Ein schlimmer Gast herbergt in dir, vertreibe, verjage ihn, gestatte ihm keinen Aufenthalt! Mit dem schwindenden Tage verschwinde der Zorn und verweile nicht in deiner Seele! Und wie die Stunde nicht zögert, so zögere auch der Zorn nicht, sich zu entfernen!

1: Matth. 6,34.
2: Ephes. 4,26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger