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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „alles ist Eitelkeit und Geistesplage!“ (Pred 1,14.)

4.

Lassen wir uns also nicht von der vergänglichen Welt täuschen, noch durch ihre Lockungen betören! Lasset uns ihre Täuschung nicht lieben; denn sie vergeht wie ein Traum der Nacht! Die Tage gehen schnell vorüber, die Stunden enteilen und verweilen nicht, weil im raschen Laufe der Zeit die Welt ihrem Ende zustrebt. Kein Tag gestattet dem anderen, mit ihm zu vergehen, und keine Stunde wartet auf die andere, um mit ihr zu verfließen. Wie sich das Wasser mit den Fingern nicht festhalten läßt und nicht stille steht, ebensowenig bleibt das Leben des aus dem Mutterschoße Geborenen stehen. Gewogen und gemessen ist das Leben eines jeden, der in die Welt eintritt, und es gibt keine Möglichkeit und es geht nicht an, daß er die ihm gesteckte Grenze überschreite. Das Leben ist dem Menschen von Gott genau zugemessen, und dieses Maß teilen die Tage nach Abschnitten ab. Jeder Tag nimmt seinen Teil von deinem Leben weg, ohne daß du es bemerkst, und keine Stunde verzichtet auf ihren Anteil, wenn sie auf ihrem Wege dahineilt und verfließt. Die Tage reißen dein Leben [wie eine Mauer] ein, und die Stunden zerstören sein [des Lebens] Gebäude, so daß du dem Ende zueilst, der du nur ein Hauch bist. Gleich Dieben und Räubern stehlen die Tage und rauben die Stunden, so daß der Faden deines Lebens allmählich abreißt und aufhört. Die Tage bestatten dein Leben, die Stunden sind seine Totengräber, in Tagen und Stunden entschwindet dein Leben von der Erde. Das Leben, das du am heutigen Tage verlebst, entfliegt und entschwindet mit dem Ende dieses Tages; denn jeder Tag nimmt das Seinige von deinem Leben weg und läßt es mit sich entschwinden. Jeder Tag begräbt das Seinige, jede Stunde bestattet das Ihrige, im eiligen Laufe der Zeit entschwinden sie, vergehen und sind dahin. Die Tage fordern und nehmen, die Stunden ergreifen und enteilen, damit das Maß deines Lebens versiege und dein Ende eilends nahe. Von Gott ist dein Leben gemessen und auf die Erde gestellt; jeder Tag nimmt sein Maß, um den Strom deines Lebens [allmählich] auszuschöpfen. Wie die Tage enteilen, so vergeht dein Leben schnell; denn es gibt keinen Ausweg und keine Möglichkeit, daß es stehen bleibt und ruht. Wenn die Sonne in der Höhe stehen bleibt und wenn der Mond in seinem Laufe innehält, dann bleibt auch das Maß deines Lebens stehen und eilt nicht dem Ende zu.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger