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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Text: „alles ist Eitelkeit und Geistesplage!“ (Pred 1,14.)

2.

Die Welt gleicht einem Rade, das die Zeiten und die Perioden in rasche Bewegung setzen. Ihre Übel sind ein Hauch und ihre Güter wie nichts; ja, ihre Übel sind keine wahren Übel und ihre Güter keine wahren Güter. Das Glück verwandelt sich plötzlich in Trauer, die kaum eingetretene Fröhlichkeit entschwindet, und es kommen Bedrängnisse. Wer heute noch fröhlich ist, weint und wehklagt schon morgen. Wer freudenvoll sein Hochzeitsfest feiert und sich am Weibe seiner Jugend ergötzt, über den kommt unerwartet der Tod und trennt das Paar, und die folgende Trauer ist größer als die vorausgegangene Freude. Wer in prächtigen Kleidern prangt und in herrlichen Kleidern einherstolziert, dessen Putz vergeht gleich einem Traume, und das Grab bekleidet ihn mit Spinngeweben. Wer hohe Paläste erbaut und in ihren Hallen stolz umherwandelt, wird plötzlich vom Ende seines Lebens überfallen; es wirft ihn aufs Totenbett, fesselt ihm Hände und Füße und verschließt ihm den Mund, so daß er nicht mehr zu reden vermag. Seine Augen erfüllt Finsternis, man trägt ihn aus seinem Hause und gestattet ihm nicht, auch nur einen Tag länger in seinen Prunkgemächern zu verweilen. Eilig schafft man ihn fort, damit er in das Grab komme, um darin zu wohnen. Sein ganzer Lebenslauf war für ihn nur Eitelkeit und Geistesplage; denn wie ein Traum entflogen ihm die Tage, und es ist, als ob er nie gewesen wäre. Wer auf einer hohen Stufe der Macht steht, dem Hochmute sich ergibt, andere ungerecht bedrückt, gelangt ebenfalls an das Ende seines Lebens, sinkt in den Staub, und all sein Reichtum war für ihn nur Eitelkeit und Geistesplage.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger