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Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über die Gottesfurcht und den jüngsten Tag

10.

Er sitzt auf feurigem Throne 1, von einem Feuermeer umgeben, und ein Feuerstrom ergießt sich von ihm aus, um alle Welten zu prüfen. Sein Feuer hat er den Menschenkindern mitgeteilt 2, damit sie nicht von jenem Feuer verbrannt würden, wenn er die Schöpfung in Flammen setzt und sie wie in einem Ofen prüft. Wenn sein Feuer [der Liebe] treu bewahrt und nicht durch Sünden ausgelöscht wird, so werden jene, die es bewahrt haben, aus jenem fürchterlichen Brande gerettet; wird es aber durch die Sünde ausgelöscht und nicht durch Heiligkeit bewahrt, so werden sie [die es nicht bewahrten,] zur Stoppel für jenes Feuer, durch dessen Gewalt die Welt verbrennt. Der König steigt von seinem Orte herab, um über die Erde Gericht zu halten, und mit großer Furcht und Angst steigen mit ihm seine Legionen hernieder. Es kommen seine gewaltigen Heerscharen, um jenes furchtbare Gericht zu schauen, und alle Menschen, die je waren und sein werden, stehen dann dort. Keine Fehlgeburt, die je war und sein wird, bleibt zurück; sie kommt zu jenem Schauplatz, um das Gericht des Richters zu sehen. Der Schall der Posaune wird ausgesandt, um die Begrabenen aufzuwecken, und auf den Ruf der letzten Trompete stehen alle Gestorbenen auf. Schneller als ein Augenblick gebietet der Wink des Sohnes, alle Toten zu jenem Gerichtsplatze der Gerechtigkeit zu versammeln. Schrecken ergreift den Tod, und er speit seine ganze Beute aus, die er verschlungen, so daß er keinen Toten an seinem Platze läßt, den er nicht zum Gerichte brächte. Der Staub der Erde wird aufgefordert, den Staub der Toten abzusondern, daß ja kein Stäubchen übrig bleibt, das nicht vor den Richter käme. Die im Meere Ertrunkenen, von wilden Tieren Verschlungenen, von Vögeln Zerrissenen, vom Feuer Verbrannten werden durch einen strengen und schnellen Wink erweckt, stehen auf und kommen. Der im Mutterleibe zugrunde ging, ohne in dieses Leben eingetreten zu sein, wird durch jenen Wink, der den Toten das Leben wiedergibt, als erwachsener Mensch herausgeführt. Das Kind, das im Schoße der Mutter während der Schwangerschaft zugleich mit ihr starb, ist bei der Auferstehung vollkommen entwickelt, erkennt seine Mutter und wird von ihr erkannt. Die hinieden einander nie gesehen haben, sehen sich dort; sie weiß, daß dieses Kind ihr Sohn ist, und dieser erkennt sie als seine Mutter. Die Auferstehung gebiert den Menschen vollkommen und gibt ihm vollkommene Kenntnis. Wen die Sünde nicht blind machte, der weiß alles wie Gott. Was immer auf Erden und im Himmel ist, schaut er mit jener genauen Kenntnis, der nichts entgeht. Der Ehebrecherin, die ihre Leibesfrucht vernichtete, auf daß sie nicht diese Welt sähe, verwehrt ihr Kind den Anblick jener neuen Welt. Weil sie ihm das Leben und das Licht dieser Welt nicht vergönnte, entzieht es ihr das Leben und das Licht der jenseitigen Welt. Weil sie ihr Kind in ihrem Leibe zur Fehlgeburt machte, damit es im Dunkel der Erde vergraben würde, darum macht es auch sie zur Fehlgeburt, so daß sie in die äußerste Finsternis wandern muß. Dies ist die Vergeltung der Ehebrecher und der Ehebrecherinnen, die ihren Kindern das Leben nehmen. Sie werden vom Richter mit dem Tode bestraft und in die Grube des Elends, voll des Kotes der Verwesung, geworfen.

1: Dan. 7,9 f.
2: Luk. 12,49.

 

 

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Vorbemerkung: Rede über die Gottesfurcht und den jüngsten Tag
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger