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Ephräm d. Syrer († 373) - Drei Reden über den Glauben
Erste Rede

7.

Wohin versteigst du dich also, o Schwächling? Staub, hingeworfen auf den Staub, kümmere dich um den Staub! Aber auch der Staub unter dir ist für deine Erforschung zu hoch. Wenn nun das, was unter dir ist, für dich zu hoch ist, wie willst du dann das Höhere erreichen? Wenn der dir ebenbürtige Staub, von dem du genommen bist, dir unbegreiflich ist, wie wirst du dann die Majestät ergründen? Sie ist für deine Erforschung schlechthin zu hoch. Dem Aussehen nach ist der Erdboden einfach, klein und doch vielfältig in bezug auf seine Erforschung. Er ist nur einer und doch nicht einfach; denn er ist reich an den verschiedensten Erzeugnissen. Der eine unansehnliche Schoß erzeugt unzählige Genüsse; der eine geringfügige Schatz bringt zahllose Kostbarkeiten hervor; der gebärende Boden gebärt Kinder, die von ihm ganz verschieden sind und dem Aussehen nach weder ihm noch einander ähnlich sind. Aus seinem unansehnlichen Innern wird uns Wunderbares geboren, aus seinem armseligen Innern entquellen uns reiche Schätze. Aus Einem kommt alles; denn aus der Erde geht alles hervor. Der Erdenstaub ist an sich allen Sinnen feindlich: er schadet im Gehörgang, stört im Auge, verschließt die Pforten des Gehörs, trübt das Licht des Gesichtes. Er ist zu jeglichem Gebrauche ungeeignet und doch die Quelle aller Hilfe. Aber, obgleich er zum Gebrauch sich nicht eignet, kommt doch von ihm das Brauchbare. Er ist ein Gegner der Hungrigen [weil nicht eßbar] und doch der Tisch der Hungrigen. Der Staub ist dem Munde schädlich, er ist die Nahrung der verfluchten Schlange. Zur Strafe wurde er die Nahrung der Schlange und aus Erbarmung der Tisch für alle. Er ist für die Essenden ungeeignet und spendet uns doch alle Nahrungsmittel. Er schadet den Schauenden und verschafft uns doch alle Heilkräuter. Er trübt die Augen und öffnete doch die Augen der Blinden 1. Es ist in ihm selbst und seinem Nährstoffe jeglicher Nutzen enthalten. Wohlan denn, o Beschauer, bewundere die Schätze, welche die Erde ausschüttet! Dieses magere Ding ist die Quelle alles Fettes. Dieses trockene Ding sprudelt uns die fließenden Quellen hervor. Aus dem seiner Natur nach schwachen Boden kommt das Eisen und das Erz. Dem Anscheine nach arm, gießt er Gold und Silber aus. Er ist der Schatzmeister der Vögel, der Hausvater des Wildes, die große Vorratskammer, die alles, die Haustiere, die Kriechtiere, die Menschen, ernährt.

1: Joh. 9,6-8 [Heilung des Blindgeborenen].

 

 

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Vorwort
Vorbemerkung: Drei Reden über den Glauben
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger