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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses

31.

Das also ist der durchaus zutreffende und gänzlich irrtumslose Glaube oder das Glaubensbekenntnis der heiligen Väter. Aber, wie Paulus sagt: „Der Gott dieser Welt hat den Geist der Ungläubigen verblendet, daß sie nicht sehen das Leuchten des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi."1So haben daher manche den geraden Weg der Wahrheit nicht gehen wollen und stoßen nun auf Felsen, „ohne zu verstehen, was sie reden, noch worüber sie Behauptungen aufstellen".2Indem sie nämlich die Herrlichkeit der Sohnschaft nur dem aus Gott entsprungenen Worte vorbehalten, behaupten sie, der aus dem Samen Jesses und Davids Geborene sei mit ihm als ein anderer Sohn verbunden worden und habe nur teil an der Sohnschaft und der göttlichen Ehre und der Einwohnung des Wortes und habe überhaupt alles von ihm erhalten, während er nichts Eigenes besitze. Solche Leute, denke ich, sind es, von denen die Jünger des Heilandes geschrieben haben: „Es haben sich nämlich gewisse Menschen eingeschlichen, die längst vorherbezeichnet sind zu diesem Strafgerichte, Gottlose, welche die Gnade Gottes verkehren zu Zügellosigkeit und Jesum Christum, unsern alleinigen Herrscher und Herrn, leugnen."3Jesus Christus wird mit Recht das in menschlicher Gestalt erschienene Wort genannt. Denn die Gegner, welche aus übergroßem Unverstände sich nicht scheuen, so wie Nestorius und Theodor4zu denken und zu sprechen, sollen antworten auf den Vorwurf: Ihr sprecht dem aus der heiligen Jungfrau Geborenen die Gottheit und die wahre Sohnschaft Gottes und des Vaters ab, indem ihr ihm lediglich das Leiden zuweist und ihn von Gott dem Worte trennt, um nicht von einem leidenden Gott sprechen zu müssen. Denn das sind die Erfindungen ihrer verstiegenen Spitzfindigkeit — abscheuliche Gedanken. Es würde also das aus Gott dem Vater entstammte Wort für sich allein auch nicht mehr Christus genannt werden dürfen. Denn wie ihm bei der Annahme, daß er nicht im Fleische sei, das Leiden nicht zugeeignet werden kann, so ist auch das Gesalbtwerden etwas, was ihm fern liegt und durchaus fremd ist. „Jesum von Nazareth hat Gott gesalbt mit dem Heiligen Geiste."5Das Wort Gottes aber ist aus sich schlechthin vollkommen und hat einer Salbung durch den Heiligen Geist nicht bedurft. Leugnet also die Menschwerdung, stellt die Liebe des Eingeborenen zu der Welt in Abrede, nennt ihn eurerseits nicht Christus. Oder war es nicht seiner unwürdig, in unsern Verhältnissen geboren zu werden? Weil also auch dies sich für ihn nicht schickte, so soll keiner bekennen, daß Gott Mensch geworden ist, damit Christus auch zu ihnen sage: „Ihr irrt, weil ihr weder die Schriften kennt noch die Macht Gottes."6Wir werden also diejenigen, die so haben denken wollen, als Feinde der Wahrheit ansehen und ihre verderbenbringenden Schwätzereien fliehen und vielmehr den Lehren der heiligen Väter folgen und der Überlieferung der heiligen Apostel und Evangelisten. Denn das menschgewordene Wort selbst war es, das in ihnen redete,7das Wort, durch welches und mit welchem Gott und dem Vater Ehre, Herrlichkeit und Herrschaft ist, mitsamt dem Heiligen Geiste, jetzt und immer und in alle Ewigkeiten! Amen.

1: 2 Kor. 4, 4.
2: 1 Tim. 1, 7.
3: Jud. 4.
4: Theodor von Mopsuestia, der Nestorius vor Nestorius
5: Apg. 10, 38.
6: Matth, 22, 29.
7: Vgl. 2 Kor. 13, 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger