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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses

13.

Nachdem sie nun bezeugt haben, daß der Sohn mit dem Vater wesenseins ist und die gleiche Herrlichkeit und die gleiche Wirksamkeit hat, gedenken sie sachgemäß seiner Menschwerdung und umreißen das Geheimnis der Veranstaltung im Fleische, da sie wohl erkannt haben, daß erst damit die Überlieferung des Glaubens vollständig und lückenlos sein werde. Denn es genügte für die Gläubigen nicht, überzeugt zu sein, daß er als Gott aus Gott dem Vater gezeugt ist, wesenseins mit ihm und „Ebenbild seiner Substanz";1vielmehr mußten sie auch wissen, daß er des Heiles und des Lebens aller wegen sich selbst zur Entäußerung herabgelassen und „Knechtsgestalt angenommen"2und als Mensch erschienen ist, dem Fleische nach „geboren aus dem Weibe".3Deshalb sagen sie, daß er um uns Menschen und um unseres Heiles willen herabgestiegen und Fleisch und Mensch geworden ist. Beachte nun die angemessene Ordnung und die treffliche Gliederung, in welcher ihre Rede dahinschreitet! Herabgestiegen ist er, sagen sie, um darauf hinzuweisen, daß er seiner Natur und Herrlichkeit nach über allen Dingen erhaben ist, und zwar um unsertwillen herabgestiegen, weil er, denke ich, willens war, der Verähnlichung mit uns sich zu unterziehen und im Fleische der Welt aufzuleuchten. Denn im Buch der Psalmen steht geschrieben: „Gott wird sichtbar kommen, unser Gott, und er wird nicht schweigen."4Der Ausgangspunkt des Abstiegs kann freilich, wenn man will, auch anders gefaßt werden, zum Beispiel vom Himmel und von oben her oder vom Vater selbst her. Die heiligen Schriften pflegen ja auch die über die Vernunft hinausgehenden Dinge in uns geläufige Worte zu kleiden. So hat der Herr im Gespräche mit den heiligen Jüngern gesagt: „Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen, ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater;"5und wiederum: „Ihr seid von unten, ich bin von oben her;"6und ein anderes Mal: „Ich bin vom Vater ausgegangen und bin gekommen."7Und der göttliche Johannes schreibt: „Wer von oben her kommt, ist über allen."8Denn da er in den höchsten Höhen thronte und ebenso wie sein Vater dem Wesen nach über allen Dingen erhaben war, weil durch die Identität der Natur mit dem Vater ausgezeichnet, so „hat er es nicht für Raub gehalten, Gott gleich zu sein; aber er entäußerte sich selbst, indem er Knechtsgestalt annahm, den Menschen ähnlich geworden und im Äußern als ein Mensch erfunden; er erniedrigte sich selbst."9Wie nun das Wort Gott war, so ist es auch, als es sich mit unserm Fleische umkleidete, Gott geblieben, und deshalb sagt der hochheilige Paulus, es sei den Menschen ähnlich und im Äußern als ein Mensch erfunden worden. Denn es war, wie gesagt, Gott in unserer Hülle, und es hat nicht, wie einige Häretiker glauben zu sollen gemeint haben, unbeseeltes Fleisch angenommen, sondern vielmehr mit einer vernünftigen Seele beseeltes Fleisch. Es ist also eben das aus dem Wesen des Vaters hervorgegangene Wort, der eingeborene Sohn, wahrer Gott vom wahren Gott und Licht vom Lichte, der, durch den alles geworden ist; er, sagen die Väter, ist herabgestiegen und Fleisch und Mensch geworden, das heißt, er hat sich dem Fleische nach der Geburt aus dem Weibe unterzogen und ist in unserer Hülle erschienen. Denn das heißt Mensch werden.

1: Hebr. 1, 3.
2: Phil. 2, 7.
3: Gal. 4, 4.
4: Ps. 49, 3.
5: Joh. 16, 28.
6: Ebd. 8, 23.
7: Ebd. 16, 28.
8: Ebd. 3, 31.
9: Phil. 2, 6—8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger