Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cyrillus von Alexandrien († 444) - Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses

11.

Indem sie sodann des Sohnes gedenken, wollen sie vor allem der Meinung vorbeugen, als ob sie ihm mit dem Worte „Sohn" einen gewöhnlichen Namen zuwiesen, der in gleicher Weise auch uns beigelegt werden könnte — denn auch wir sind Söhne geheißen worden —, und fügen deshalb sehr verständiger Weise Zusätze bei, aus welchen die ihm innewohnende natürliche Erhabenheit über jedwedes Geschöpf zu ersehen ist. Er ist, sagen sie, gezeugt und nicht gemacht, um damit, daß er nicht gemacht ist, hervorzuheben, daß er seinem Wesen nach nicht auf eine Stufe mit dem Geschöpfe gestellt werden darf, und vielmehr zu erklären, daß er vor aller Zeit und auf unbegreifliche Weise aus dem Wesen Gottes und des Vaters hervorgegangen ist. Denn „das Wort war im Anfang".1Des weitern stellen sie ausdrücklich die Vollwertigkeit der Zeugung und Geburt fest — nach Menschenart soll so gesprochen werden aus Nützlichkeitsgründen —, indem sie sagen, daß der Sohn gezeugt ist als Gott von Gott. Denn wo es sich um eine schlechthin wahre Abkunft handelt, ergibt sich sofort die Notwendigkeit, anzunehmen und zu behaupten, daß das Erzeugte dem Wesen des Erzeugers nicht fremd, sondern ihm eigen ist, weil es auch aus ihm ist, freilich in der ihm entsprechenden und geziemenden Weise. Das Unkörperliche zeugt ja nicht nach Art eines Körpers, sondern so, wie Licht vom Lichte gezeugt wird, wobei das aufstrahlende Licht innerhalb des ausstrahlenden Lichtes ist, so daß es auf unaussprechliche und unsagbare Art von ihm ausgeht, aber vermöge der Einigung und der natürlichen Identität in ihm ist. So, behaupten wir, ist der Sohn im Vater und der Vater im Sohn; denn der Sohn stellt in seiner eigenen Natur und Herrlichkeit ein Abbild des Vaters dar. Hat er doch deutlich genug zu einem der heiligen Jünger — es war Philippus — gesagt: „Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Wer mich gesehen, hat den Vater gesehen."2„Ich und der Vater sind Eins."3Der Sohn ist also wesenseins mit dem Vater, und deshalb glauben wir, daß er gezeugt ist als wahrer Gott vom wahren Gott. Zwar finden wir das Wort „gezeugt werden" auch von den Geschöpfen gebraucht, wie in dem Ausspruche Gottes über die Israeliten: „Söhne habe ich gezeugt und erhöht."4Aber das Geschöpf erlangt diese Bezeichnung als Gnade, während von dem natürlichen Sohne nichts Derartiges in uneigentlichem Sinne gesagt wird, sondern alles auf Wahrheit beruht, weshalb auch er allein von allen sagt: „Ich bin die Wahrheit."5Es ist also durchaus nicht unwahr, wenn jemand von seiner Zeugung oder von seiner Sohnschaft spricht, denn er ist die Wahrheit. Die allberühmten Väter geben unserm Geiste darüber Ruhe und Sicherheit, indem sie immer wieder vom Vater und Sohn reden und von Zeugung sprechen und zugleich behaupten, daß der Sohn als wahrer Gott vom wahren Gott und als Licht vom Lichte aufgestrahlt ist. Sie bekunden damit, daß die Zeugung unkörperlich und einfach ist und daß der Sohn aus dem Vater und in dem Vater und ein jeder von beiden als eigene Person zu fassen ist. Denn der Vater ist Vater und nicht Sohn, und der Gezeugte ist Sohn und nicht Vater, und trotz der Identität der Natur bleibt ein jeder das, was er im Besondern ist.

1: Joh. 1, 1.
2: Joh. 14, 9 f.
3: Ebd. 10, 30.
4: Is. 1, 2.
5: Joh. 14, 6.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger