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Cyrillus von Alexandrien († 444)
Dass Christus einer ist
(Quod unus sit Christus)

1.

Die Schrift „Quod unus sit Christus" ist in die Form eines Dialoges gekleidet, und der Partner oder Zwischenredner des Verfassers wird in einigen Handschriften Hermias genannt, wie allerdings auch in andern Dialogen Cyrills ein gewisser Hermias als Zwischenredner auftritt. Unser Dialog enthält eine erschöpfende Widerlegung der Lehre, daß das Wort Gottes nicht selbst Fleisch geworden sei, sondern einen Menschen angenommen und mit sich verbunden habe, so daß also neben dem wahren und natürlichen Sohne Gottes noch „ein anderer", ein Adoptivsohn, steht, der jedoch an der Hoheit und Ehre des natürlichen Sohnes teilhaben soll. Ein gelegentlicher Hinweis auf frühere Polemik des Verfassers selbst gegen den Nestorianismus1und, deutlicher noch, die Reife des Gedankens in Verbindung mit einer gewissen Abgeklärtheit des Ausdrucks zeigen, daß diese Schrift zu den spätern, wahrscheinlich zu den spätesten antinestorianischen Schriften Cyrills gehört, wenngleich es an Anhaltspunkten für eine genauere Datierung fehlt. Ein Abdruck des Textes bei Migne 75, 1253—1362. Eine neue Ausgabe, für welche auch eine sehr alte, aber wenig wörtliche syrische Übersetzung benützt werden konnte, bei Pusey, S. Cyrilli Alex. De recta fide ad Imperatorem usw., Oxonii 1877, 334—424.

*

A. Der Beschäftigung mit der heiligen Wissenschaft überdrüssig zu werden, ist bei denen, die wahrhaft verständig sind und lebenspendende Erkenntnis in ihren Geist aufgenommen haben, ausgeschlossen; denn es steht geschrieben: „Nicht vom Brote allein lebt der Mensch, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt."21 Gottes Wort ist eben eine Nahrung des Geistes und ein geistliches Brot, welches das Herz des Menschen stärkt, gemäß dem Psalmvers.3

B. Du hast Recht.

A. Die Weisen und Schriftsteller der Heiden haben die Schönheit der Rede bewundert und verwenden größten Fleiß auf bilderreiche Sprache; sie gefallen sich in leerem Wortgepränge und wollen glänzen durch rhetorischen Schmuck. Als Stoff dient den Dichtern die Lüge, der man durch Wohlklang und Ebenmaß des Vortrags Anmut und Reiz zu verleihen sucht, während man auf die Wahrheit sehr wenig Wert legt und zutreffende und nutzbringende Belehrung, insbesondere über den wahren Gott, fast ganz vermissen läßt. Der hochheilige Paulus hat sie mit den Worten gekennzeichnet: „Sie sind nichtig geworden in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert worden. Da sie prahlten, Weise zu sein, wurden sie Toren und vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit der Gestalt eines Bildes von einem vergänglichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren."4

B. So ist es. Hat ja Gott durch den Mund des Isaias über sie gesagt: „Wisset, daß ihr Herz Asche ist und sie in die Irre gehen."5

A. Das gilt von diesen. Diejenigen aber, die die gottlosen Häresien erfunden haben, Unheilige und Abtrünnige, die gegen die göttliche Herrlichkeit ihren frechen Mund aufreißen und „Verkehrtes reden",6lassen sich in gar manchen Schriften keinen geringeren Unverstand als die Heiden oder vielmehr noch größeren Wahnsinn zuschulden kommen, „Besser wäre es für sie gewesen, wenn sie den Weg der Wahrheit nicht erkannt hätten, als, nachdem sie ihn erkannt hatten, dem heiligen Gebote, das ihnen gegeben worden, den Rücken zu kehren. Ihnen ist es nach dem wahren Sprichworte ergangen: Ein Hund wendet sich um nach dem eigenen Auswurf, und ein Schwein badet sich und wälzt sich im Kot."7Denn sie haben sich geteilt in blasphemische Anklagen gegen Christus, und wie bissige und mörderische Wölfe verfolgen sie die Herden, für welche Christus gestorben ist, und plündern sein Eigentum, indem sie „aufhäufen, was nicht ihrer ist", wie geschrieben steht, „und sich schwer mit Schulden belasten."8Ganz treffend paßt auf sie das Wort: „Von uns sind sie ausgegangen, aber sie waren nicht aus uns."9

B. Gewiß nicht.

A. Zur Zeit indessen handelt es sich für uns um solche Menschen. Einige nämlich suchen unverständigerweise dem eingeborenen Worte Gottes die alles überragende Hoheit abzusprechen und die Gleichheit mit Gott und dem Vater streitig zu machen, indem sie seine Wesenseinheit leugnen und die vollständige Identität der Natur nicht anerkennen wollen. Andere, die mit den Genannten gleichsam desselben Weges daherkommen und auch in die Schlinge des Todes und „in die Tiefe der Unterwelt"10stürzen, verdrehen das Geheimnis der Fleischwerdung des Eingeborenen und stellen einen gewissermaßen brüderlich verwandten Unsinn auf. Denn während jene dem aus Gott dem Vater entsprungenen Worte noch vor seiner Fleischwerdung die Hoheit der Gottheit nach Möglichkeit zu entreißen suchen, kämpfen diese gegen den Fleischgewordenen an und machen ihm gar, keck, wie sie sind, seine menschenfreundliche Huld zum Vorwurf, indem sie behaupten, er sei nicht wohl beraten gewesen, da er Fleisch annahm und sich der Entäußerung unterzog oder da er Mensch ward und „auf Erden erschien und mit den Menschen verkehrte",11weil er doch von Natur Gott sei und Mitinhaber des Thrones des Vaters.

B. Du sprichst mit Recht so.

1: Migne 75, 1281 A. Ed. Pusey 356 A.
2: Matth. 4, 4.
3: Ps. 103, 15.
4: Röm. 1. 21—23.
5: Is. 44, 20 [LXX].
6: Apg. 20, 30.
7: 2 Petr. 2, 21 f.
8: Hab. 2, 6.
9: 1 Joh. 2, 19.
10: Sprichw. 9, 18.
11: Baruch 3, 38.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger