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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Dass Christus einer ist (Quod unus sit Christus)

6.

A. Sie schelten also den Sohn und behaupten, er sei nicht gut beraten gewesen, als er sich unsertwegen der freiwilligen Entäußerung unterzog. Abgetan und beiseitegeschoben wäre demzufolge das hehre und große „Geheimnis der Gottesfurcht";1der einzigartige Ratschluß der Fleischwerdung des Eingeborenen hätte, erklären sie, den Erdenbewohnern keinen Nutzen gebracht. Allein das Wort der Wahrheit entzieht diesem Geplapper allen Boden und beweist vielmehr, daß die Leute höchst unsinniges Zeug schwätzen und für das Geheimnis Christi auch nicht das geringste Verständnis haben. Gott und der Vater hat den Sohn ein für allemal aus sich heraus gezeugt. Er beschloß aber, das Menschengeschlecht in dem Sohne zu erneuern, und zwar durch die Fleischwerdung oder Menschwerdung. Diese jedoch mußte unbedingt in Weise der Geburt aus dem Weibe erfolgen, damit das aus Gott entsprungene Wort uns ähnlich und nun das Gesetz der Sünde in den Gliedern des Fleisches verurteilt und der Tod durch den Tod dessen, der keinen Tod kannte, abgetan würde. „Denn wenn wir seine Genossen geworden sind durch einen dem seinen ähnlichen Tod, so werden wir es doch auch durch eine der seinen ähnliche Auferstehung sein."2Es ist also notwendigerweise der, der immer war, dem Fleische nach geboren worden, indem er das Unsrige auf sich nahm, damit die Erzeugnisse des Fleisches, das heißt wir, die wir der Vergänglichkeit und dem Untergange verfallen waren, in ihm verblieben, der da das Unsrige sich zu eigen gemacht hatte, auf daß auch wir des Seinigen teilhaftig würden. Um unsertwillen ist ja der Reiche arm geworden, damit wir durch seine Armut bereichert würden. Wer aber behauptet, nicht das gottentstammte Wort selbst sei es gewesen, welches Fleisch ward oder der Geburt aus dem Weibe sich unterzog, der hebt die Heils Veranstaltung auf. Denn wenn nicht der Reiche arm geworden, aus Menschenfreundlichkeit zu uns sich herablassend, so sind wir auch nicht mit seinen Gütern bereichert worden, sind vielmehr noch in Armut und Fluch und Tod und Sünde verstrickt. Nur die Fleischwerdung des Wortes vermag das, was infolge des Fluches und des Strafurteils der Menschennatur widerfahren ist, abzustellen und zum Bessern zu wenden. Wenn sie also die Wurzel unseres Heiles ausgraben und die Grundlage unserer Hoffnung zerstören, was soll aus dem Übrigen noch werden? Ist, wie gesagt, nicht das Wort Fleisch geworden, so ist die Macht des Todes nicht erschüttert und die Sünde in keiner Weise abgetan, und wir haften noch für die Übertretungen des ersten Menschen, das heißt Adams, ohne durch Christus, den Heiland unser aller, irgendwelche Besserung unserer Lage erlangt zu haben.

B. Ich verstehe, was du sagst.

A. Ist aber ferner der, der „in gleicher Weise wie wir an Blut und Fleisch teilgenommen hat",3nicht notwendig seiner Natur nach ein anderer gewesen als wir? Von einem Menschen wird doch niemand sagen, er habe an der Menschheit teilgenommen. Denn wie soll jemand etwas, was er seiner Natur nach ist, noch annehmen, wie wenn es etwas anderes wäre, als was er schon ist? Dünkt dir dies nicht durchaus einleuchtend zu sein?

B. Ganz gewiß.

1: 1 Tim. 3, 16.
2: Röm. 6, 5.
3: Hebr. 2, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger