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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Dass Christus einer ist (Quod unus sit Christus)

5.

B. Ich stimme zu; du hast recht.

A. Unverständig ist es aber weiterhin, zu glauben und zu behaupten, das Wort sei so Fleisch geworden, wie es Fluch und Sünde geworden.

B. Wieso?

A. War er denn nicht ein Verfluchter, um den Fluch aufzuheben; und hat der Vater ihn nicht zur Sünde gemacht, um der Sünde ein Ende zu bereiten?

B. So sagen auch sie.

A. Wäre es also wahr, was sie behaupten, daß das Wort so Fleisch geworden, wie es Fluch und Sünde geworden, mithin zur Vernichtung des Fleisches, wie konnte er dann das Fleisch unvergänglich und unverwüstlich machen, wie er dies zuerst an seinem eigenen Fleische tat? Er hat ja nicht zugelassen, daß es sterblich bleibe und der Verwesung anheimfalle, gemäß dem von Adam auf uns sich vererbenden Strafurteil, hat vielmehr das Fleisch des unvergänglichen Gottes, das heißt sein eigenes Fleisch, auch über Tod und Verwesung triumphieren lassen.

B. Du sprichst die Wahrheit.

A. Die Heilige Schrift sagt irgendwo, der erste Mensch, das heißt Adam, sei zu einer „lebendigen Seele" geworden, der spätere, ich meine Christus, zu einem „lebendigmachenden Geiste".1Wie er nun Fluch und Sünde geworden, um Fluch und Sünde aufzuheben, so, behaupten wir, ist er zu einem lebendigmachenden Geiste geworden, um die lebendige Seele zu einem an- dern Sein umzugestalten. Denn wenn sie behaupten, er sei so Fleisch geworden, wie er Fluch und Sünde geworden, so treiben sie mit dem Worte „geworden" einen unerhörten Mißbrauch. Dann würde also die Fleischwerdung oder Menschwerdung des Wortes preiszugeben sein; und wenn das wahr wäre, würde das ganze Geheimnis uns dahinschwinden. Christus wäre nicht geboren, nicht gestorben, nicht auferweckt worden, wie es die Schriften besagen. Wo bliebe demnach der Glaube oder „das Wort des Glaubens, welches wir verkünden?"2Denn wie hätte Gott ihn von den Toten auferwecken können, wenn er nicht gestorben wäre? Wie aber wäre er gestorben, wenn er nicht dem Fleische nach geboren wäre? Und wo bleibt das Wiederaufleben der Toten, welches den Heiligen die Hoffnung auf ein Leben ohne Ende gewährt, wenn Christus nicht auf erweckt worden? Wo bleibt jene Lebendigmachung des menschlichen Leibes, wie sie durch die Teilnahme an seinem heiligen Fleisch und Blut gewirkt wird?

B. Wir behaupten also, daß das Wort Fleisch geworden ist, indem es dem Fleische nach aus dem Weibe geboren wurde. In den letzten Zeiten der Welt hat es sich, wie berichtet wird, dieser Geburt unterzogen, während es als Gott vor aller Ewigkeit existierte.

A. Ganz recht so. In dieser Weise ist er uns in allem ähnlich geworden, ausgenommen die Sünde. Das bezeugt der allweise Paulus, wenn er sagt: „Da nämlich die Kinder an Blut und Fleisch teilhaben, so hat auch er in gleicher Weise daran teilgenommen, um durch den Tod den Machthaber des Todes, das heißt den Teufel, zunichte zu machen und diejenigen, die durch die Furcht vor dem Tode ihr ganzes Leben lang in Knechtschaft gehalten waren, zu befreien. Denn nicht etwa der Engel nimmt er sich an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an. Deshalb mußte er in allem den Brüdern ähnlich werden."3— Der Anfang gleichsam und das Vorspiel dieser Verähnlichung in allem war die Geburt aus dem Weibe und das Erscheinen dessen, der seiner eigenen Natur nach unsichtbar ist, im Fleische und der Wandel dessen, der in den höchsten Höhen thront, auf dieser Erde und die menschliche Niedrigkeit des erhabensten aller Herrscher und die Eingeschränktheit der geborenen Allgewalt. Denn „Gott war das Wort".4

B. Du sprichst ganz zutreffend. Aber wisse, daß jene es auch für unmöglich und abgeschmackt erklären, zu glauben und zu behaupten, das auf unaussprechliche und unbegreifliche Weise aus Gott dem Vater entsprungene Wort habe sich noch einer zweiten Geburt aus dem Weibe unterzogen. Es habe ihm genügt, sagen sie, einmal auf gotteswürdige Weise aus dem Vater geboren zu sein.

1: 1 Kor. 15, 45.
2: Röm. 10, 8.
3: Hebr. 2, 14—17.
4: Joh. 1, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger