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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Dass Christus einer ist (Quod unus sit Christus)

15.

A. Wie aber soll der Menschensohn auch die Engel zu eigen haben und „in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln thronen?"1Und wiederum: „Und der Menschensohn wird seine Engel aussenden."2Wenn sie aber auch jetzt noch nicht glauben wollen, obwohl sie sehen, daß er mit göttlicher Herrlichkeit und mit so glänzenden und hocherhabenen Ehren geschmückt ist, so mögen sie hören, wie er sagt: „Wenn ihr mir nicht glaubt, so glaubt meinen Werken",3und wiederum: „Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht."47 Denn wenn wir in einem Menschen die Hoheit der unaussprechlichen Herrlichkeit erblicken, und zwar nicht als fremdes oder durch Gnadenerweis erlangtes Gut, sondern als eigenen Besitz, so müssen wir uns doch überzeugen lassen, daß er Gott in Menschenhülle war und in Wahrheit der Sohn des über allen erhabenen Gottes.

B. Die Engel, sagen sie, hat er zu eigen gehabt, und diese Zeichen hat er vollbracht, weil das Wort ihm innewohnte, welches ihm seine Herrlichkeit und seine Wirksamkeit verlieh. Denn es steht geschrieben: „Jesus von Nazareth, den Gott gesalbt hat mit dem Heiligen Geiste und mit Macht, der umherging Wohltaten spendend und alle heilend, die vom Teufel überwältigt wurden."5Weil er also mit Macht und mit dem Geiste gesalbt war, deshalb war er Wundertäter.

A. Da nun aber Gott das Wort seiner Natur nach heilig und vermöge seines Wesens allmächtig ist und infolgedessen weder der Macht eines andern noch der Mitteilung von Heiligkeit bedarf, wer ist denn der mit Macht und mit dem Heiligen Geiste Gesalbte?

B. Vermutlich werden sie sagen, es sei der in Weise der Verbundenheit angenommene Mensch.

A. Es wäre also Jesus Christus im besondern und für sich allein, mithin derjenige, von welchem der allweise Paulus sagt: „Für uns aber gibt es einen Gott Vater, aus dem alles ist und aus dem auch wir sind, und einen Herrn Jesus Christus, durch den alles ist und durch den auch wir sind."6Wie kann man, sag mir, durch einen Menschen alles sein? Und weshalb wird er als Sohn unmittelbar an den Vater angereiht, ohne daß jemand dazwischen stände? Welchen Platz sollen wir dann dem Eingeborenen anweisen, wenn sie an dessen Stelle den Menschen rücken, und zwar, wie er sagt, einen Menschen, der von dem Eingeborenen seine Wirksamkeit empfängt und um des Eingeborenen willen mit Ehren ausgestattet wird? Soll also ihre Lehre nicht die Grenzen des Vernunftgemäßen überschreiten, nicht das Ziel verfehlen und wegen völligen Abirrens von der Wahrheit mit Recht der Lächerlichkeit anheimzugeben sein?

B. Mensch, sagt er, ist das Wort Gottes in ähnlicher Weise genannt worden, wie der von ihm angenommene Mensch zwar in Bethlehem in Judäa geboren, aber Nazarener geheißen worden ist, weil er in Nazareth gewohnt hat. So wird Gott das Wort Mensch genannt, weil er in einem Menschen gewohnt hat.

A. O des Altweiberverstandes und des erschlafften Geistes, der nur noch plappern kann und nichts Weiteres! Werdet nüchtern, ihr Trunkenen, von eurem Rausche! möchte man den Gegnern zurufen, warum vergewaltigt ihr die Wahrheit und verkehrt den Sinn der göttlichen Lehrsätze, um den königlichen Pfad zu verlassen? Nicht mehr Fleisch geworden ist das Wort, wie die Schriften besagen, sondern, wie es scheint, Menschenbewohner; und er müßte nicht Mensch genannt werden, sondern Menschler [ἀνθρωπαῖος], wie denn der Nazarethbewohner nicht Nazareth genannt worden ist, sondern Nazarener [Ναζωραῖος]. Es steht aber, glaube ich, wofern sie anders ihre unvernünftige Erfindung für begründet erachten, durchaus nichts im Wege, mit dem Sohne auch den Vater und dazu noch den Heiligen Geist einen Menschen zu nennen. Denn durch den Geist nimmt die Fülle der heiligen und wesenseinen Dreifaltigkeit in uns Wohnung. Sagt ja Paulus: „Wisset ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?"7Und Christus selbst sagt: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden kommen und uns eine Wohnung bei ihm bereiten."8Aber weder der Vater noch der Heilige Geist ist deshalb, weil sie in uns wohnen, irgendwo Mensch geheißen worden. Diese Menschen aber verlachen das Geheimnis der Menschwerdung und verdrehen die so zutreffenden und beherzigenswerten Lehrsätze der Kirche ins Ungereimte, Unsere Lehre hingegen soll ungestört ihren Fortgang nehmen und ihren Ergüssen Lebewohl sagen. Denn wenn er deshalb Zeichen vollbracht hat, weil das Wort in ihm war, so machen sie ihn zu einem der heiligen Propheten. Göttliche Zeichen hat er ja auch durch die Hand der Heiligen gewirkt. Wollen sie den Sohn diesen Heiligen zuzählen, so weisen sie ihm eben den Rang eines Propheten oder Apostels zu.

B. Ist er denn, sagen sie, nicht Prophet und Apostel geheißen worden?

A. Darin hast du nicht unrecht. Moses sprach zu den Kindern Israels: „Einen Propheten wird der Herr euer Gott aus euren Brüdern euch erwecken gleich mir."9Und der göttliche Paulus hat geschrieben: „Daher, heilige Brüder, die ihr himmlischer Berufung teilhaftig seid, blicket hin auf den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses Jesus!"10Nun sollen sie antworten, ich frage, ob denn einem jeden Menschen die Gnadengabe der Prophetie oder der Besitz apostolischer Würde oder auch der Name eines Hohenpriesters zu Ehren verholten hat?

B. Ja, behaupte ich.

1: Ebd. 16, 27.
2: Ebd. 13, 41.
3: Joh. 10, 38.
4: Ebd. 10, 37.
5: Apg. 10, 38.
6: 1 Kor. 8, 6.
7: 1 Kor. 3, 16.
8: Joh. 14, 23.
9: Deut. 18, 15.
10: Hebr. 3, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger