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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Dass Christus einer ist (Quod unus sit Christus)

12.

A. Wie abgeschmackt und im höchsten Grade widersinnig ihre Lehre ist, läßt sich aber auch auf andere Weise dartun. Denn wenn es wahr ist, daß diejenigen, die der Annahme und Gnade nach Söhne sind, im Verhältnis der Ähnlichkeit zu dem stehen, der der Natur und Wahrheit nach Sohn ist, wie sollen wir, die wir der Annahme nach Söhne sind, in Beziehung zu ihm als dem wahren Sohne stehen, wenn er auch selbst so wie wir zu denen zählt, die nur der Gnade nach Söhne sind? Und wie wäre es möglich, daß er in den evangelischen Gleichnissen als Sohn erst nach den Knechten ausgesandt wird und die Wärter des Weinberges bei seinem Anblick sprechen: „Dieser ist der Erbe, kommt, wir wollen ihn töten"?1Der also, der im Fleische erschienen ist und die Wut der Juden erfahren hat, ist in Wahrheit Sohn und Freier, weil aus der freien Natur entsprossen und als Gott nicht zu denen zählend, die unter dem Joche gehen. Wenngleich er einer wie wir geworden ist und das Joch auf sich genommen hat als ein Sohn der Knechtschaft, so ist er doch von Natur aus und in Wahrheit Sohn, außer dem Joche und über der Schöpfung stehend. Ihm sind wir, die Söhne der Annahme und Gnade nach, gleichgestaltet worden.

B. Wir sagen nicht, behaupten sie, daß der Mensch Sohn Gottes sei, weil wir nicht von zwei natürlichen Söhnen sprechen wollen. Wie das vom Himmel herabgekommene Wort nicht der Natur nach Sohn Davids ist, so ist auch der aus dem Samen Davids Geborene nicht der Natur nach Sohn Gottes.

A. Es wird also Christus in zwei Söhne zerschnitten, und beide werden als Träger eines falschen Namens entlarvt. Man könnte, meine ich, das Geheimnis Christi eitlen Trug nennen, wenn es sich so verhielte, wie die Gegner fabeln. Wo bleibt denn die Einigung und zu welchem Zweck soll sie erfolgt sein? Ja, auch der Satz, daß das Wort Fleisch geworden, erweist sich als unwahr und unnütz erfunden, wenn das Gott dem Vater entstammte Wort nicht Sohn Davids gewesen ist, weil es aus dessen Samen dem Fleische nach geboren wurde. Ich glaube, sie müssen sich von uns sagen lassen, was den Lehrern der Juden von Christus selbst gesagt ward: „Was dünkt euch von Christus? Wessen Sohn ist er?" Und wenn sie antworten: „Davids", so müssen sie sich von uns sagen lassen: „Wie kann denn David im Geiste ihn Herrn nennen, indem er sagt: Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache! Wenn nun David im Geiste ihn Herrn nennt, wie kann er sein Sohn sein?",2er, der, wie die Gegner behaupten, nicht der Natur nach und in Wahrheit Sohn [Gottes] ist; und wie kann er, sag mir, auf dem Sitze Gottes Platz nehmen und Throngenosse des Beherrschers aller Dinge sein? Hat doch, wie der allweise Paulus schreibt, der Vater niemals zu irgendeinem der Engel gesagt: „Mein Sohn bist du", und auch nicht: „setze dich zu meiner Rechten".3Und wie soll der aus dem Weibe Geborene in jenen höchsten Höhen und auf dem Sessel der Gottheit thronen und erhaben sein „über alle Hoheit und Herrschaft und Thronen und Gewalten und jeden Namen, der genannt wird"?4Beachte aber, wie der Herr sagt: „Wenn nun David im Geiste ihn Herrn nennt, wie kann er sein Sohn sein?", und damit denen, die die Wahrheit suchen, deutlich zeigt, daß das Wort, nachdem es sich Fleisch und Blut angeeignet hat, auch so ein Sohn geblieben ist, einerseits Gott, wie die göttliche Hoheit und Herrschaft bezeugt, anderseits als Mensch erschienen und Sohn Davids geworden.

B. Darauf werden sie, vermute ich, erwidern: Sollen wir denn annehmen, daß auch der aus dem Samen Davids Geborene aus dem Wesen Gottes und des Vaters stammt?

A. Welch törichte und unsinnige Frage! Enthält sie nicht einen groben Verstoß gegen den Sinn des Geheimnisses und die Freunde der Wahrheit?

B. Sag, wieso?

A. Du sollst mir keine Teilung vornehmen, wie wenn der aus dem Samen Davids Geborene ein anderer wäre als der eine Christus und Sohn und Herr. Denn die Lehre der Rechtgläubigkeit erklärt den aus Gott dem Vater entsprungenen eingeborenen Sohn und nicht einen andern für den Sohn Davids dem Fleische nach. Es ist also nicht zu hören auf diejenigen, die aus maßloser Dummheit behaupten, das vom Himmel herabgekommene Wort sei nicht der Natur nach Sohn Davids, und der aus dem Samen Davids Geborene sei nicht der Natur nach Sohn Gottes. Denn das von Natur und in Wahrheit aus dem Vater aufgestrahlte Wort ist, da es Fleisch und Blut angenommen hat, wie ich soeben sagte, derselbe, das heißt von Natur aus und in Wahrheit Sohn des Vaters, geblieben, Einer und Einziger, nicht ein anderer neben einem andern, sondern Einer in einer Person. Indem wir so das durch die Gesetze der Natur Geschiedene und einander Unähnliche zu einer wahren, über Vernunft und Wort hinausreichenden Einigung zusammenfassen, wandeln wir den irrtumsfreien Pfad des Glaubens. Wir behaupten nämlich, daß Christus Jesus einer und derselbe ist, als Gott das Wort aus Gott dem Vater, dem Fleische nach aus dem Samen des göttlichen David. Oder glaubst du nicht, daß diese Aufstellungen durchaus das Richtige treffen?

B. Ganz gewiß.

1: Matth. 21, 38.
2: Matth. 22, 41—45.
3: Hebr. 1, 5. 13.
4: Eph. 1, 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger