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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

9.

Ist nun aber das Wort nicht Fleisch geworden, so ist es auch nicht selbst in Leiden versucht worden und kann dann auch nicht denen, die versucht werden, helfen.1Denn ein Schatten kann doch wohl nicht leiden, und so zerfällt alles für uns Geschehene in nichts. Oder welchen Rücken soll er für uns dargeboten haben?2Welche Wange hat er hingehalten, um die Schläge der Juden aufzunehmen? Und daß er an Händen und Füßen mit Nägeln durchbohrt worden, wenn er gar nicht im Fleische erschienen war, wie kann das jemand glauben? Oder welche Seite haben die Soldaten des Pilatus durchstochen, so daß die Zuschauer das kostbare Blut mit Wasser hervorquellen sahen? Es ist indes noch etwas Wichtigeres zu sagen: Christus wäre nicht für uns gestorben und wäre nicht auferweckt worden. Ist das aber wirklich wahr, so ist der Glaube entwertet und das Kreuz, das Heil und Leben der Welt, fällt dahin, und die Hoffnung der im Glauben Entschlafenen ist gänzlich zunichte geworden. So hat mit Recht auch der selige Paulus geurteilt. „Denn ich habe euch", sagt er, „vor allem überliefert, was ich auch empfangen hatte, daß Christus für unsere Sünden den Schriften gemäß gestorben ist und daß er begraben wurde und daß er am dritten Tage den Schriften gemäß auferweckt worden ist, und daß er dem Kephas erschien, dann den Zwölfen; dann erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt leben, einige aber auch entschlafen sind; dann erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln und zuletzt von allen, als einer Fehlgeburt, erschien er auch mir."3Und nach anderem wieder: „Wenn von Christus gepredigt wird, daß er von den Toten auferweckt worden, wie können da einige unter euch sagen, es gebe keine Auferstehung der Totcn? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden, so ist nichtig unsere Predigt, nichtig auch unser Glaube. Wir werden vielmehr als falsche Gotteszeugen erfunden, weil wir wider Gott bezeugt haben, daß er Christus auferweckte, während er ihn doch nicht auferweckte, wenn anders die Toten nicht auferweckt werden“.4Wie hätte nun, sag' mir doch, der Schatten sterben sollen? Wie konnte der Vater Christus auferwecken, wenn er Schatten und Schein war und den Banden des Todes nicht unterworfen? Fort also mit dem Brecherguß jener Menschen! Als Fabel vielmehr und als Auswurf gottlosen Sinnes sollen uns ihre Lehren gelten. Vor solchen Menschen warnt uns im voraus schon der Jünger des Heilandes, indem er schreibt: „Viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Den Geist Gottes erkennt ihr daran: Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleische gekommen, ist aus Gott; und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Satz des Antichrists, von dem ihr gehört habt, daß er kommen wird, und er ist schon jetzt in der Welt."5Denn wenn er nicht Mensch geworden, ist er auch nicht im Fleische zu dem Vater und Gott im Himmel aufgefahren und wird er auch nicht, als Mensch nämlich und im Fleische, vom Himmel her zu uns zurückkehren.

1: Vgl. Hebr. 2, 18.
2: Vgl. Is. 50, 6.
3: 1 Kor. 15, 3—8.
4: 1 Kor. 15, 12—15.
5: 1 Joh. 4, 1—3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger