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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

41.

Wir bekennen und glauben also, daß der Emmanuel in den letzten Zeiten der Welt durch die heilige Jungfrau geboren worden ist. Und wie sollte das nicht wahr sein? Das „gestern und heute" aber, christusliebender Kaiser, bezeichnet die gegenwärtige und die schon vergangene Zeit. Er ist jedoch wirklich derselbe auch für die vergangene Zeit, da er noch nicht im Fleische geboren war. Denn das Wort war im Anfang; und weil aus dem ewigen und unwandelbaren Gott und Vater entsprungen, ist es auch selbst seiner Natur nach ewig und unwandelbar. Allerdings hat dieses Wort gleichzeitig mit der Menschwerdung einen ganz neuen Namen erhalten, den Namen Christus Jesus. Davon ist ja schon sehr häufig die Rede gewesen. Nun beachte wohl, daß es heißt, Christus Jesus, und nicht etwa das Wort, sei derselbe gestern und heute und in Ewigkeit! Die Menschennatur kann aber nicht unwandelbar sein und in demselben Zustande beharren, da sie doch der Entwicklung unterliegt, vor allem der Versetzung aus dem Nichts ins Sein und Leben. Soll also die Heilige Schrift von der Wahrheit abgeirrt sein und denjenigen schon vorher da sein lassen, der gestern noch nicht da war? Das behaupte ich nicht. Daran fehlt noch viel. Christus Jesus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. Damit leugne ich die Vorzeitlichkeit und Unveränderlichkeit des Wortes durchaus nicht, auch wenn es Fleisch geworden; ich glaube vielmehr, daß es auch in der Einigung mit seinem Fleische sich wieder als denjenigen bekundet, der er gestern und der er vorher war. Der unsinnige Jude knirschte und wollte ihn steinigen, konnte sich aber zum Glauben nicht entschließen. Er vermochte es nicht zu fassen, daß der, der dem Aussehen nach ein Mensch wie wir war, das Vorrecht eines übermenschlichen Alters beanspruchte. Als Gott sprach er: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham auftrat, bin ich", als jene entgegnet hatten: „Du hast noch nicht fünfzig Jahre und du hast Abraham gesehen?"1Auch Johannes aber sagte: „Dieser ist es, von dem ich euch gesagt habe: nach mir kommt ein Mann, der vor mir aufgetreten ist, weil er früher war als ich."2Er kennt und benennt den Emmanuel als Mann; wie aber kann er sagen, derselbe sei vor ihm aufgetreten und früher gewesen als er, da er doch erst später geboren wurde und nach ihm kam? Vielleicht, fällt mir ein, wird jemand antworten, der Herrlichkeit nach sei er vorher aufgetreten und früher gewesen. Daß dies jedoch falsch und töricht sein würde, das zu beweisen, bedarf es keiner langen Rede. Denn wenn wir das „vor" von der höhern Herrlichkeit verstehen, so werden wir unverkennbar folgerichtig das „nach" auf eine geringere Ehre deuten müssen. Wir wären also zu der Annahme gezwungen, Christus werde an Herrlichkeit durch Johannes übertroffen und stehe ihm nach. Er sagte ja: „Nach mir kommt ein Mann." O des Unverstandes! Vor einer solchen Meinung werden wir bewahrt durch das rechte Verständnis des Psalmenwortes: „Wer in den Wolken wird dem Herrn gleichkommen? Wer dem Herrn ähnlich sein unter den Söhnen Gottes?“3Man muß demnach auch dem Fleischgewordenen den Vorrang zuerkennen, weil er der Natur nach Gott ist, mit dem Fleische geeint und gewohnt, seinen Leib an den Gütern seiner Natur teilnehmen zu lassen.

1: Joh. 8, 57 f.
2: Ebd. 1, 30.
3: Ps. 88, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger