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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

36.

Da er aber der Erstling der Schöpfung ist, welche durch Heiligung zu Gott hin erneuert werden soll, so erwies er sich auch vor allen andern als aus dem Geiste geboren. Er umging die Verbindung von Mann und Weib, nicht um die Natur der Unehre und Schmach anzuklagen — denn „in Ehren gehalten sei die Ehe",15 und „der Schöpfer von Anfang an hat sie als Mann und Weib erschaffen"2—, sondern um das Menschliche schon irgendwie zum Größeren und unvergleichlich Erhabeneren hinzuwenden. Denn er wollte, daß auch wir Geistesgeborene seien, nicht Mannesgeborene. Sagte er doch: „Nennt niemanden auf Erden euren Vater, denn Einer ist euer Vater, der im Himmel ist; ihr alle aber seid Brüder.“3Es ist also durchaus nichts Tadelnswertes, an ihn zu glauben, es wird vielmehr ausgezeichnet durch Vergebung der Sünden. Denn so schreibt hinwieder der auserwählte Paulus: „Da wir aber wissen, daß der Mensch nicht gerechtfertigt wird aus Gesetzeswerken, außer durch den Glauben an Jesus Christus, so haben auch wir an Christus geglaubt, um in ihm gerechtfertigt zu werden.“4Ich möchte aber nicht versäumen, noch einmal zu wiederholen, was ich vorhin gesagt habe, daß nämlich unter Christus Jesus nicht das gottentstammte Wort für sich allein zu verstehen ist, sondern das Wort, welches das Menschliche angenommen hat und unvermischt mit dem Fleische vereint ist. Dieses Wort, wie es sichtbar geworden und in unserer Gestalt erschienen war, zeigte der Vater den heiligen Aposteln, während von oben her die Stimme erscholl: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe; ihn sollt ihr hören.“5Beachte wohl, daß er nicht sagt: in diesem ist mein Sohn, damit man nicht meine, er sei zu teilen, und es sei gleichsam einer in dem andern, sondern einer und derselbe ist er, gemäß der Einigung der Menschwerdung. Daß es aber sündhaft ist, zu widersprechen, und äußerst gefährlich, davon kann Johannes überzeugen, der wie folgt schreibt: „Dies ist das Zeugnis Gottes, daß er Zeugnis gegeben hat von seinem Sohne. Wer an den Sohn glaubt, hat das Zeugnis Gottes in sich. Wer Gott nicht glaubt, macht ihn zum Lügner, weil er nicht glaubt an das Zeugnis, welches Gott gegeben hat von seinem Sohne.“6Er hat aber bezeugt: Dieser, der im Fleische ist und in Knechtsgestalt, er ist einzig und allein und im eigentlichen Sinne wahrhaft mein Sohn. Wir werden aber notwendig. auch zugeben müssen, daß die durch die heilige Taufe vermittelte herrliche Gnade und das in ihr gewonnene Leben und die Teilnahme an Gott vermöge der Heiligung im Geiste durch Jesus Christus gewirkt worden sind. Wir erinnern uns, daß Johannes sagte: „Der nach mir kommen wird, ist stärker als ich, und ich bin nicht würdig, seine Schuhe zu tragen; er wird euch taufen im Heiligen Geiste und Feuer."7Sollen wir nun, sag' mir, annehmen, es sei Sache unserer Menschheit, im Heiligen Geiste und Feuer taufen zu können? Wie würde das möglich sein? Er spricht aber von einem Manne, der bald kommen und in Erscheinung treten soll, und sagt, dieser werde taufen in Feuer und im Heiligen Geiste. Nicht einen fremden Geist teilt er den Täuflingen mit, nach Art eines Knechtes oder Dieners, sondern als Gott der Natur nach vermittelt er ihnen mit höchster Machtvollkommenheit den von ihm ausgehenden und ihm eigenen Geist, durch welchen uns auch das göttliche Merkmal aufgedrückt wird. Denn unsere Erneuerung zu dem göttlichen Bilde, zu Christus Jesus, besteht nicht in einer leiblichen Umwandlung — das anzunehmen wäre ganz ungereimt —, sondern darin, daß wir des Heiligen Geistes teilhaftig werden und damit in den Besitz Christi selbst gelangen, so daß wir freudig ausrufen können: „Es frohlocke meine Seele im Herrn, denn er hat mich bekleidet mit dem Mantel des Heiles und dem Gewände der Freude!“8„Denn", heißt es, „ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt Christum angezogen."9

1: Hebr. 13, 4.
2: Matth. 19, 4.
3: Matth. 23, 8 f.
4: Gal. 2, 16.
5: Matth. 17, 5.
6: 1 Joh. 5, 9 f.
7: Matth. 3, 11.
8: Is. 61, 10.
9: Gal. 3, 27.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger