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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

32.

Der Gegner einer solchen Herrlichkeit wird aber vielleicht fragen: Und wer war der, der zu dem sama-ritanischen Weibe sagte: „Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen?"1Wie kann denn der anzubeten sein, der sich selbst denen zuzählt, die anbeten? Ich antworte, daß die Frage „Wer war es?" da, wo es sich einfach um Christus handelt, unzulässig und töricht ist. Denn er ist durchaus nicht geteilt. Der, der mit dem Weibe redete, war der eine und einzige Herr Jesus Christus, aus der anbetenden Menschheit und der anzubetenden Gottheit bestehend, in Wahrheit Gott und Mensch zugleich, wie man ja auch sonst Gegensätzliches von ihm aussagen kann. Denn insofern er Gott ist, ist er der Herr der Herrlichkeit; insofern er aber ein durch Teilnahme an Gott zu verherrlichender Mensch geworden ist, bedurfte er auch wieder der Herrlichkeit, weshalb er sprach: „Vater, verherrliche deinen Sohn!"2Im übrigen aber: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe", wie geschrieben steht.3Gleichwie nun ein Glaube an Christus und in Wahrheit eine Taufe, obwohl wir ja getauft werden im Glauben an Vater und Sohn und Heiligen Geist, in gleicher Weise und aus dem gleichen Grunde gibt es, glaube ich, eine Anbetung, des Vaters und des menschgewordenen Sohnes und des Heiligen Geistes, Denn der Eingeborene darf von der für uns sowohl wie für die heiligen Engel pflichtmäßigen Anbetung keineswegs ausgeschlossen werden, wenn er auch „Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat"4und zum „Erstgeborenen unter vielen Brüdern"5bestellt ist. Denn welchen Grund gäbe es sonst für den Glauben an ihn? Wie sollte das nicht zu beachten sein? Denn ich kann nicht annehmen, daß sie, wenn sie anders der rechten Lehre eingedenk sein wollen, sagen werden, wir glaubten nur an das aus Gott dem Vater entsprossene Wort, des Fleisches entkleidet; wir dürfen aber auch nicht darauf verzichten, dieses andere beizufügen, wie es noch gesagt werden soll. Der Glaube gilt ja nicht Einem aus uns und nicht einem Menschen, sondern dem, der von Natur aus und in Wahrheit Gott ist „im Angesichte Christi". Diesem Standpunkt pflichtet auch der weise Paulus bei, wenn er schreibt: „Denn wir verkünden nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als Herrn, uns aber als eure Diener durch Jesus Christus. Denn Gott, der aus Finsternis Licht aufleuchten ließ, ist es, der in unsern Herzen aufgeleuchtet ist, um die Erkenntnis seiner Herrlichkeit im Angesichte Jesu Christi erstrahlen zu lassen."6Sieh, klar und deutlich ist die Erkenntnis Gottes und des Vaters aufgeleuchtet im Angesichte Christi. Deshalb sagte er auch: „Wer mich gesehen, hat den Vater gesehen";7„Ich und der Vater sind Eins."8

1: Joh. 4, 22.
2: Ebd. 17, 1.
3: Eph. 4, 5.
4: Joh. 1, 14.
5: Rom. 8, 29.
6: 2 Kor. 4, 5 f.
7: Joh. 14, 9.
8: Ebd. 10, 30.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger