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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

31.

Werden wir also den Emmanuel als Menschen anbeten? Das sei fern! Das ist leeres Gerede und Täuschung und Trug. Wir würden uns sonst in keiner Weise von denen unterscheiden, die das Geschöpf angebetet haben statt des Schöpfers und Weltenbildners, „die die Wahrheit Gottes vertauscht haben mit der Lüge", wie geschrieben steht.1Wollten wir ebenso denken, so hätten wir jedenfalls mit ihnen zu hören: „Während sie prahlten, Weise zu sein, sind sie Toren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit der Gestalt eines Bildes von einem vergänglichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren."2Oder würden wir diesen Götzendienern in Tat und Gesinnung nicht ganz an die Seite treten und die Herrlichkeit Gottes vertauschen mit der Lüge, mit der Gestalt eines Bildes von einem vergänglichen Menschen, wenn wir dem Emmanuel als bloßem Menschen und Einem der Unsrigen Anbetung widmen wollten? Und wie? Würde nicht auch das himmlische Heer der Engel den so tief in Wahnsinn Verstrickten beigesellt werden müssen? Und auch gegen den Kreis der Völker würden wir eine unentrinnbare Anklage auf Verirrung erheben können, und die Schmach der alten Sünden würde unaustilgbar sein. Denn die Völker irren, meine ich, auch jetzt noch, nicht weniger als ehedem, ohne den Pfad zum Rechten erkannt zu haben. Der selige Paulus hat, scheint es, allen Grund, ihnen vorzuhalten: „Allein damals zwar, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr Göttern, die es in Wahrheit nicht sind. Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt oder vielmehr von Gott erkannt worden seid, wie kommt ihr dazu, euch wieder den schwachen und armen Anfangsgründen zuzuwenden, um ihnen von neuem zu dienen?3Denn welchen Gott kennen sie noch, wenn Christus, an den sie glauben, nicht in Wahrheit Gott ist? Beten sie aber einen Menschen an, so liegen sie noch in den Schlingen des alten Irrwahns. Oder ist es nicht wahr, was ich sage? Freilich ist es wahr. Sieh also, christusliebender Kaiser, wie wir schon allein durch zwingende Vernunftgründe zu der Folgerung gedrängt werden, daß man das aus Gott dem Vater entsprungene Wort verständigerweise als wahren Gott anbeten muß, auch wenn es in unserer Gestalt erschienen ist, da die Verbindung der zwei Naturen zur Einheit wohl geeignet ist, alles, was etwa den Verdacht bloßer Menschheit erregen könnte, aus dem Wege zu räumen. Denn wenn die Natur des Wortes das Menschliche angenommen hat, so ist sie deshalb keine bloße Menschheit, überragt vielmehr das Angenommene durch ihre eigene Herrlichkeit und verbleibt im unerschütterlichen Besitze göttlicher Hoheit. In dieser Erkenntnis haben die Jünger ihn angebetet, indem sie sprachen: „Wahrhaftig, du bist der Sohn Gottes!",4obwohl sie ihn mit Füßen gehen sahen und in einem Fleische, wie wir es haben, denn als Gott wandelte er wunderbarerweise auf hoher Meeresflut.

1: Röm. 1, 25.
2: Ebd. 1, 22 f.
3: Gal. 4, 8 f.
4: Matth. 14, 33.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger