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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

29.

Die heiligen Schriften stellen ihn daher bald schlechtweg als Menschen dar, unter Verschweigung seiner Gottheit, auf Grund der Menschwerdung, bald aber auch wieder schlechtweg als Gott, unter Verschweigung seiner Menschheit, und hier wie dort geben sie ihm das Seinige, weil das eine mit dem andern zur Einheit verbunden ist. Der göttliche Paulus, Hebräer aus Hebräern und vom Stamme Benjamin, berufener Apostel, schreibt an diejenigen, welche mittels des Glaubens gerechtfertigt worden waren und nun die Glieder des Fleisches, ich meine Unzucht und Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht ertötet hatten: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott."1Er selbst aber sagt von seinen Jüngern: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir es sind. Als ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, und ich habe sie behütet, und keiner aus ihnen ist zugrunde gegangen außer dem Sohne des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde. Jetzt aber komme ich zu dir, und dieses spreche ich in der Welt, damit sie meine Freude vollkommen in sich haben.“2— Verstehst du, wie er uns an diesen Stellen anscheinend nur von Seiten der Menschheit vorgestellt wird? Denn wir dürfen keineswegs folgern, daß er sich verborgen und die Welt verlassen habe. Sagt er doch deutlich: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wo immer zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen",3und wiederum: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt."4Nicht selten hingegen scheint der hochheilige Paulus es ganz außer acht zu lassen, daß er auch als Mensch anerkannt werden muß. Er schreibt: „Paulus, Apostel nicht von Menschen her noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus",5und wiederum: „Ich tue euch aber kund, daß das Evangelium, welches von mir verkündet worden, nicht von Menschenart ist; denn ich habe es auch nicht von einem Menschen empfangen oder gelernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi",6und nochmals an einer andern Stelle: „Wenn wir aber Christus auch dem Fleische nach gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr.“7— Wer ist nun dieser Jesus Christus, der ihm die so unaussprechliche, untrügliche und göttliche Offenbarung seiner Geheimnisse aufleuchten ließ? Ist es nicht das Wort, welches Fleisch geworden und um unsertwillen die Geburt aus dem Weibe nicht verschmäht hat? Wie sollte das, was ich da sage, nicht wahr sein? Wir erinnern uns ja, daß der selige Gabriel zu der heiligen Jungfrau sagte: „Fürchte dich nicht, Maria, denn siehe, du wirst empfangen im Schoße und einen Sohn gebären, und du wirst seinen Namen Jesus nennen.“8Das war, glaube ich, ein neuer Name, der von Seiten des Vaters durch die Stimme des Engels dem Worte gegeben wurde. So hatte auch ein prophetischer Ausspruch es vorhergesagt: „Und sie werden ihn mit einem neuen Namen nennen, den der Herr ihm geben wird."9Als deshalb der dem Vater gleich ewige und vor aller Zeit existierende Sohn und Eingeborene in den letzten Zeiten der Welt Mensch geworden und aus dem Weibe geboren und als Sohn dargetan und nun auch zum „Erstgeborenen" bestellt und „einer unter vielen Brüdern"10wurde, da bestimmt sein natürlicher Vater ihm auch einen Namen, sozusagen in Verfolg der Gesetze der Vaterschaft.

1: Kol. 3, 3.
2: Joh. 17, 11—13.
3: Matth. 18, 20.
4: Ebd. 28, 20.
5: Gal. 1, 1.
6: Gal. 1, 11 f.
7: 2 Kor. 5, 16.
8: Luk. 1, 30 f.
9: Is. 62, 2.
10: Röm. 8, 29.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger