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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

27.

Wir wollen deshalb den Herrn, der uns erkauft hat, nicht verleugnen, auch wenn wir mitunter Menschliches und dem Stande der Entäußerung Entsprechendes von ihm hören. Den Juden hat unser Herr Jesus Christus gesagt: „Wenn ihr Kinder Abrahams wäret, würdet ihr die Werke Abrahams tun. Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe. Das hat Abraham nicht getan."1Und Paulus schreibt von ihm: „Der in den Tagen seines Fleisches Bitten und Gebete mit lautem Ruf und Tränen dem, der ihn vom Tode retten konnte, dargebracht hat und seiner Gottesfurcht wegen erhört worden ist, der, obwohl er Sohn war, aus dem, was er litt, den Gehorsam erlernt hat."2Sollen wir deswegen Christus für einen bloßen Menschen halten, der in keiner Weise über unsere Natur erhaben war? Das sei fern! Werden wir aber zugeben, daß Gottes Weisheit und Macht bis zu einer derartigen Schwäche hinabgestiegen sei, daß er vor dem Tode bangte und den Vater um Rettung anflehte, und nun nicht mehr anerkennen, daß der Emmanuel der Natur nach Leben ist? Oder werden wir so einsichtig sein und die in jenen Worten ausgesprochene Armseligkeit auf die Menschheit und den Stand unserer Natur beziehen, aber doch die ihm als Gott zukommende überweltliche Herrlichkeit nicht anzweifeln, indem wir uns bewußt bleiben, daß er ebensowohl Gott wie auch Mensch oder menschgewordener Gott ist? Der hochgeschätzte Paulus soll in die Mitte treten und mit mächtiger Stimme sprechen: „Weisheit aber verkünden wir unter den Vollkommenen, freilich nicht die Weisheit dieser Welt und der Fürsten dieser Welt, die doch abgetan werden, aber wir verkünden die in Geheimnisse gehüllte Weisheit Gottes, die verborgen war, die keiner der Fürsten dieser Welt erkannt hatte; denn wenn sie sie erkannt hätten, würden sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben."3Und sodann: „Der, da er der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens ist und das Weltall trägt mit dem Worte seiner Macht, nachdem er die Reinigung von unsern Sünden gewirkt, sich zur Rechten der Majestät in den Höhen gesetzt hat, um so größer geworden als die Engel, je vorzüglicher der Name ist, den er vor ihnen ererbt hat."4— „Herr der Herrlichkeit" zu sein und genannt zu werden, ist gewiß etwas überaus Großes, hoch hinausreichend über alles das, was geworden und ins Dasein gerufen ist. Ich übergehe die Menschennatur, weil sie gar so klein ist. Ich betone aber: Auch wenn jemand auf die Engel hinweisen und Fürstentümer und Throne und Herrschaften aufzählen und bis zu den am höchsten stehenden Seraphim vordringen wollte, er würde gleichwohl, wenn anders er gesunde Vernunft und Einsicht hat, zugestehen müssen, daß alles dies hinter jener so überaus großen Hoheit weit zurücksteht. Denn sie stellt, denke ich, eine unvergleichliche Auszeichnung dar und kann nur der über allem thronenden Natur zukommen. Wie nun kann der Gekreuzigte „Herr der Herrlichkeit" sein, der Abglanz des Vaters und das Ebenbild seines Wesens genannt, das Weltall tragend mit dem Worte seiner Macht, größer geworden als die Engel? Ich meine fast, er habe einen niedrigeren Stand erwählt, da er als Mensch erschien. Denn es steht geschrieben: „Den eine kleine Weile unter die Engel erniedrigten Jesus sehen wir wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt."5Werden wir also dem aus Gott dem Vater entsprungenen Worte die ihm zustehende wesenhafte Erhabenheit und die genaue Gleichheit mit dem Vater absprechen, wenn wir sehen, daß er sogar unter die Hoheit der Engel erniedrigt wird wegen der mit der Menschwerdung verbundenen Armseligkeit? Durchaus nicht. Wir dürfen, denke ich, weder das gottentstammte Wort nach der Fleischesannahme jemals gänzlich von der Menschennatur trennen noch auch die Menschennatur in Christus der göttlichen Herrlichkeit entkleiden,

1: Joh. 8, 39 f.
2: Hebr. 5, 7 f.
3: 1 Kor. 2, 6—9.
4: Hebr. 1, 3 f.
5: Hebr. 2, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger