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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

21.

Es ist also, behaupten wir, das ganze gottentstammte Wort mit unserer ganzen Menschheit geeint worden. Denn er hat nicht etwa das Bessere in uns, das heißt die Seele, außer acht gelassen, um die Mühen seines Erdenwandels nur dem Fleische zu widmen. Durch beide vielmehr hat er in entsprechender Weise das Geheimnis der Menschwerdung verwirklicht. Seines Fleisches bediente er sich wie eines Werkzeugs zu den Werken des Fleisches und den natürlichen Schwächezuständen und zu allem, was keinem Tadel unterlag, seiner Seele aber zu den menschlichen und schuldlosen Gefühlen und Stimmungen. Denn es heißt, daß er gehungert hat und Müdigkeit erduldet von langer Wanderung und Schrecken und Furcht und Trauer und Todesangst und den Tod am Kreuze. Ohne daß ihn jemand zwang, hat er von sich aus „sein Leben für uns eingesetzt",1„um über Tote und Lebende zu herrschen",2indem er sein Fleisch für das Fleisch aller hingab, ein in der Tat gleichwertiges Geschenk, seine Seele aber zum Lösepreis für die Seelen aller machte, wenngleich er auch wieder auflebte, weil er als Gott der Natur nach Leben ist. Hat ja auch der göttliche Petrus erklärt: „Ihr Männer, Brüder, es sei gestattet, freimütig von dem Erzvater David zu euch zu reden und zu sagen, daß er gestorben ist und begraben wurde und sein Grab bei uns ist bis auf diesen Tag. Da er nun Prophet war und wußte, daß Gott ihm mit einem Eide geschworen hatte, er werde einen aus der Frucht seiner Lenden auf seinen Thron setzen, so hat er in die Zukunft sehend von der Auferstehung Christi geweissagt, daß seine Seele nicht in der Unterwelt belassen werde und sein Fleisch nicht die Verwesung schaue."3Man würde auch nicht annehmen dürfen, daß das dem Worte geeinte Fleisch jemals von der Verwesung hätte ergriffen und die göttliche Seele von den Pforten der Unterwelt hätte überwältigt werden können; denn sie ist nicht in der Unterwelt belassen worden, wie auch der göttliche Petrus erklärte. Wir können ja sein Wort nicht dahin verstehen, daß die durchaus unfaßbare und dem Tode unzugängliche Natur, das heißt die Gottheit, des Eingeborenen aus den unterirdischen Tiefen zurückgeholt worden sei, und es wäre auch nichts Wunderbares gewesen, wenn das gottentstammte Wort nicht in der Unterwelt verblieben sein würde, da es durch die Kraft und Natur der Gottheit in unfaßbarer und unaussprechlicher Weise alles erfüllt und allem innewohnt. Denn das Göttliche ist erhaben über jede Örtlichkeit, jede Grenze und jede meßbare Größe, und von keinem Dinge kann es umschlossen werden.

1: 1 Joh. 3, 16.
2: Röm. 14, 9.
3: Apg. 2, 29—31.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger