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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

19.

Wenn sie jedoch behaupten, der Zustand der Menschheit habe nur die Herabkunft des Eingeborenen gefordert, aber in dem Verlangen, „den Erdbewohnern zu erscheinen und mit den Menschen zu verkehren“1und uns den Weg des evangelischen Lebens vor Augen zu führen, habe er aus Zweckmäßigkeitsgründen sich mit einem dem unsrigen ähnlichen Fleische umhüllt — die Gottheit ist ja ihrer Natur nach unsichtbar —, so verraten sie damit, daß sie die Bedeutung der Menschwerdung nicht erkannt und das „große Geheimnis der Gottesfurcht“2nicht verstanden haben. Denn wenn die Fleischwerdung oder Menschwerdung des Eingeborenen lediglich den Zweck hatte, ihn den Erdbewohnern sichtbar zu machen, im übrigen aber der Natur des Menschen keinen Gewinn brachte, wie soll es da nicht besser und weiser sein, daß wir der Meinung der Doketen beitreten, die das Wort des Fleisches und des irdischen Leibes entkleiden, um es nur dem Scheine nach auf Erden als Mensch auftreten zu lassen? Diese Unglückseligen dürften aber überführt worden sein, von der Wahrheit abzuirren, und zwar ohne große Mühe. Oder soll es, würden sie sagen, wenn anders das gottentstammte Wort durch die Fleischwerdung der Natur des Menschen keinerlei Nutzen bringt, nicht besser sein, dieses Wort von der Unreinheit des Fleisches freizuhalten und anzunehmen, es habe sich überhaupt nur dem Scheine nach des irdischen Leibes bedient und so den vorgesetzten Zweck verwirklicht? Wenn nun jemand fragt, was denn eigentlich der Grund der Herabkunft oder welches die Art und Weise der Menschwerdung gewesen und wozu sie erfolgt sei, so wollen wir ihm Antwort geben. Die göttliche Schrift soll als Lehrmeisterin dienen. Komm' also, mein Bester, vernimm die heiligen Schriften, hefte das Auge des Geistes aufmerksam auf die Aussprüche der heiligen Apostel und erfasse wohl den Bescheid auf deine Frage! Der weise Paulus also, und in ihm sprach Christus selbst, erklärt uns: „Da nämlich die Kinder an Blut und Fleisch teilhaben, so hat auch er in gleicher Weise daran teilgenommen, um durch den Tod den Machthaber des Todes, das heißt den Teufel, zunichte zu machen und diejenigen, die durch die Furcht vor dem Tode ihr ganzes Leben lang in Knechtschaft gehalten waren, zu befreien.“3Und anderswo belehrt er uns über die Menschwerdung wie folgt: „Was nämlich", sagt er, „dem Gesetze unmöglich war, weil es schwach war durch das Fleisch, Gott hat seinen eigenen Sohn gesandt in Fleisch wie Sündenfleisch und der Sünde wegen, und hat die Sünde am Fleische verdammt, damit die Satzung des Gesetzes an uns erfüllt würde, indem wir nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste."4

1: Baruch 3, 38.
2: 1 Tim. 3, 16.
3: Hebr. 2, 14 f.
4: Röm. 8, 3 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger