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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

15.

Sag' mir aber weiter: Als Philippus, der besonders wißbegierige Jünger Christi, sagte: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns",1wünschte er da einen seienden und wirklichen oder einen nichtseienden und unpersönlichen Vater zu sehen? Ohne Zaudern, denke ich, wird man antworten: einen seienden und wirklichen Vater. Wenn nun aber der Sohn ein Nichts ist, weil er ja nicht existieren soll nach der unverschämten Frechheit dieser Menschen, wozu bot er uns behufs genauer Erkenntnis des Vaters sich selbst als Abbild dar, indem er sprach: „So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen, hat den Vater gesehen. Glaubst du nicht, daß ich im Vater und der Vater in mir ist?"2„Ich und der Vater sind Eins."3Es wird aber doch wohl niemand in einem Nichtexistierenden einen Existierenden erblicken, niemand jemals Seiendes mit Nichtseiendem in Gedanken zu Einem zusammenfassen können. Und wie soll der Vater im Sohne und der Sohn hinwieder im Vater sein? Sofort würde sich die Folgerung ergeben, daß, wenn das Wort keine eigene Existenz hat, auch der Vater in Gefahr gerät, da er das Nichts in sich haben und im Nichts existieren soll. Denn wer gar nicht ist, muß als ein Nichts angesehen werden. Das sind freilich absonderliche Dinge; die gegnerische Lehre krankt eben an gar vielen Ungereimtheiten und nötigt uns nun gleichfalls zu unliebsamen Erörterungen. Wundern aber muß man sich füglich, wie es möglich gewesen sein soll, daß der Vater in dem nicht zum Sein gelangten Sohne das Seiende gemacht hat. Wollte jemand fragen, ob für das Seiende das Sein besser sei oder das Nichtsein, so würde er sofort die Antwort erhalten, besser sei das Sein. Denn gerade deshalb, weil er dem Nichtseienden einst das Sein gegeben hat, heißt und ist der Schöpfer gut. So muß es sich auch in Wahrheit verhalten. Demgemäß wäre das Geschöpf besser daran als der, durch den alles ins Dasein eingeführt wurde. Denn dieser soll ja nicht existieren; das Geschöpf aber existiert und gilt als im Besitz des Seins befindlich. O des Widersinns! Fort mit dieser Lästerung! Denn „lebendig ist das Wort Gottes und wirksam", wie geschrieben steht.4Deshalb hat es auch gesagt: „Ich bin das Leben."5Es könnte jedoch nicht als Leben gedacht werden, wenn es nicht existierte. Leben aber ist es seiner Natur nach; denn es wird gewiß nicht lügen. Eine abscheuliche Lüge ist es mithin und der Abschaum albernsten Sinnes, zu sagen, das aus Gott entsprungene Wort existiere nicht. Hat es doch selbst zu Moses gesagt: „Ich bin, der da ist."6Wie aber könnte man annehmen, daß das wahrhaft Seiende und Selbständige jemals seiner eigenen Existenz verlustig gehe? Die bis auf die Spitze getriebene Torheit dieser Aufstellungen werden wir demnach füglich beiseite schieben dürfen.

1: Joh. 14, 8.
2: Joh. 14, 9 f.
3: Joh. 10. 30.
4: Hebr. 4, 12.
5: Joh. 14, 6.
6: Ex. 3, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger