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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

12.

Aber wie? Sollen wir uns nicht auch darüber im höchsten Grade wundern, daß es Menschen gibt, die der gotteingegebenen Schrift beinahe vollständig Lebewohl sagen und ihren Verstand den Geistern des Irrtums ausliefern und nun in ihrer Torheit und kindischen Urteilslosigkeit soweit gegangen sind, daß sie glauben, der Schöpfer der Welten, das Gott und dem Vater gleichewige Wort Gottes sei erst zur Zeit der Geburt des Fleisches ins Dasein getreten? Der, der über aller Welt und Zeit ist, soll erst später entstanden sein, so daß erst in den letzten Zeiten, gerade noch in den Tagen der Menschwerdung, Gott zum Vater geworden und der, durch den alles und in dem alles ist, zugleich mit dem aus der Jungfrau genommenen Tempel zur Existenz gelangt sei. Sind sie nicht schon bis zum Gipfel der Schlechtigkeit vorgedrungen, die eine so alberne und abscheuliche Fabel bereitwillig annehmen und ihren Verstand mit reinstem Blödsinn füllen? Wahrhaftig „ein geöffnetes Grab ist ihre Kehle, mit ihren Zungen trogen sie, Otterngift ist unter ihren Lippen, ihr Mund ist voll von Fluch und Bitterkeit."1Muß denn nicht der, durch den alles ist, auch vor allem gewesen sein? Was aber werden sie tun angesichts des Johannes: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ist nichts geworden“,2und wiederum: „Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir gesehen haben mit eigenen Augen, was wir geschaut und unsere Hände berührt haben, von dem Worte des Lebens [verkünden wir euch], und das Leben ist geoffenbart worden, und wir haben es gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, welches beim Vater war und uns geoffenbart worden ist."3Auch Christus selbst belehrt die Juden über das unvordenkliche Alter seines Daseins; denn als sie sagten: „Du hast noch nicht fünfzig Jahre und du hast Abraham gesehen?", vernahmen sie die hoheitsvolle Antwort: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham geworden ist, bin ich."4Wenn aber das „er war" ohne Einschränkung von ihm ausgesagt und nicht minder deutlich das „ich bin" ihm zugesprochen wird, wer will dann den Anfang seines Seins absehen? Oder wie soll der, der in dem über alles Denken hinausreichenden Anfang war, im Lauf der Zeit ins Dasein gerufen worden sein? Wollte jemand diesen Leuten einläßlicher antworten, so würde es durchaus nicht schwierig sein, auf Grund der Zeugnisse der gotteingegebenen Schrift die Angriffe ihrer Torheit abzuschlagen. Da jedoch ihr Geschwätz so offensichtlich zu verwerfen ist und gar so viele Schwächen aufweist, so halte ich es für überflüssig, ihm noch weitere Beachtung zu schenken. Wenden wir uns also einer mit der abgewiesenen Lehre verwandten Ansicht zu!

1: Röm. 3, 13 f.
2: Joh. 1, 1—3.
3: 1 Joh. 1, 1 f.
4: Joh. 8, 57 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger