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Gregor v. Nyssa (†394) - Lebensbeschreibung seiner Schwester Makrina (Vita Macrinae)
Unseres heiligen Vaters Gregor, Bischofs von Nyssa, Lebensbeschreibung der seligen Makrina, seiner Schwester, an den Mönch Olympius

20.

Wie sie so redete, wünschte ich, daß die Dauer des Tages sich noch verlängerte, damit sie nicht aufhörte, unser Ohr zu erfreuen. Aber die Stimme der Singenden rief zum nächtlichen Dankgebet hinaus. So sandte die Große auch mich zur Kirche und zog sich wieder im Gebete zu ihrem Gott zurück. Und so verging die Nacht. Als es aber Tag geworden war, war es mir nach dem, was ich sah, ganz klar, daß der bevorstehende Tag für sie die letzte Grenze des Lebens im Fleische bedeute, da das Fieber die ganze Kraft ihrer Natur aufgezehrt hatte. Sie aber suchte im Hinblick auf unsern schwachen Mut uns von der traurigen Befürchtung abzubringen, indem sie die Betrübnis der Seele wieder mit jenen herrlichen Gesprächen, von nun an freilich mit schwachem und beengtem Atem, zerstreute. Bei solchem Anblick ward nun meine Seele ganz verschieden gestimmt: einerseits war mein Herz, wie begreiflich, in Traurigkeit versunken, weil es nicht mehr erwarten durfte, noch weiterhin diese Stimme zu hören, sondern befürchten mußte, der gemeinsame Ruhm unserer Familie werde in nicht langer Zeit aus dem Leben hinscheiden, anderseits begeisterte sich meine Seele geradezu an dem, was sich hier zeigte; denn sie schien wahrhaftig die irdische Natur überstiegen zu haben. Denn daß sie nicht einmal in den letzten Zügen bei der Erwartung des Hinübergehens etwas Fremdartiges erlitt, noch wegen des Scheidens aus dem Leben Furcht zeigte, das schien mir nicht mehr Menschenart zu sein, sondern geradezu die Art eines Engels, der nach göttlicher Ordnung Menschengestalt angenommen hatte, bei dem keine Verwandtschaft und kein Zusammenhang mit dem Leben im Fleisch vorhanden war, so daß es wohl begreiflich ist, daß der [S. 356] Geist in Leidenschaftslosigkeit verharrte, ohne daß ihn das Fleisch zu den eigenen Leidenschaften herabzog. Deswegen, glaube ich, hat sie jene göttliche und reine Liebe zum unsichtbaren Bräutigam, welche sie in den geheimen Kammern ihres Herzens still pflegte, damals ihrer Umgebung geoffenbart und ihre Herzensstimmung dadurch gezeigt, daß sie nach dem Geliebten verlangte, um bald mit ihm vereinigt zu werden, befreit von den Fesseln des Leibes. Und wirklich ging ihr Lauf der Tugend zu, indem sonst keine Lust des Lebens ihr Auge auf sich zog.

 

 

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Einleitung zur Schrift: „Das Leben Makrinas."
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger