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Gregor v. Nyssa (†394) - Lebensbeschreibung seiner Schwester Makrina (Vita Macrinae)
Unseres heiligen Vaters Gregor, Bischofs von Nyssa, Lebensbeschreibung der seligen Makrina, seiner Schwester, an den Mönch Olympius

18.

Als sie aber ihre Darlegung beendet hatte, sagte sie: „Bruder, es ist für dich Zeit, den Leib ein wenig ausruhen zu lassen, da du von der großen Anstrengung der Reise müde geworden bist.“ Mir war es zwar eine große und wirkliche Erholung, sie zu sehen und dazu ihre erhabenen Worte zu hören. Da ihr aber dies erwünscht und lieb war, so ruhte ich, um mich der Meisterin in allem willfährig zu zeigen, in einem der anliegenden Gärtchen, wo ich ein willkommenes Ruheplätzchen vorfand, im Schatten der an den Bäumen gezogenen Weinreben aus. Aber es war mir nicht möglich, die Annehmlichkeiten zu genießen, da mein Herz im Innern ob der düsteren Befürchtungen beklommen war. Denn das Traumgesicht schien mir durch das, was ich gesehen, sein Geheimnis zu enthüllen. Bildete doch das, was sich meinen Augen dargeboten, in Wahrheit Überbleibsel eines heiligen Märtyrers, welche durch die Sünde ertötet worden waren, durch die innewohnende Gnade des Geistes aber in hellem Glanz erstrahlten. So sprach ich mich auch gegenüber einem von denen aus, die vorher von mir den Traum gehört hatten. Während wir uns nun natürlicherweise voller Betrübnis im Geiste [S. 353] mit der Erwartung des Traurigen beschäftigten, hatte sie, ich weiß nicht auf welche Weise, unsere Gedanken erraten und sandte eine Botschaft heiterer Art uns zu und hieß uns, guten Mutes zu sein und ihretwegen die besten Hoffnungen zu haben. Sie merke nämlich eine Wendung zum Besseren. Das ließ sie uns aber nicht sagen, um uns zu täuschen, sondern ihre Rede war ganz wahrheitsgemäß, wenn wir es auch für den Augenblick nicht begriffen. Wie nämlich fürwahr ein Wettläufer, der seinen Gegner überholt hat und schon ans Ziel der Laufbahn gekommen ist, wenn er dem Siegespreis sich nähert und den Kranz schaut, bei sich frohlockt und auch seinen Gönnern unter den Zuschauern freudig den Sieg ankündigt, gleich als ob er das Ziel schon erreicht hätte, in solcher Stimmung mahnte auch sie, betreffs ihrer das Beste zu hoffen, indem sie schon den Lohn der Berufung nach oben schaute und fast das Wort des Apostels auch von sich gebrauchte: „Es ist mir fortan hinterlegt der Kranz der Gerechtigkeit, welchen mir geben wird der gerechte Richter, nachdem ich ja den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt habe1.“

1: 2 Tim. 4, 8.

 

 

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Einleitung zur Schrift: „Das Leben Makrinas."
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger