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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Fünftes Buch
I. Kapitel

3.

1. Da sie sich daher seiner gewaltigen Wirkungsmöglichkeit bewußt wurden, baten sie, ihnen den Glauben zu [S. 119] verleihen,1 der wie ein Senfkorn2 in heilsamer Weise die Seele reizen und in ihr gewaltig wachsen kann, so daß in ihm die Reden über die himmlischen Dinge eine Ruhestätte finden können.3

2. Denn wenn jemand durch seine Naturanlage Wissen von Gott besitzt, wie Basileides meint,4 der den Glauben der Auserlesenen ein Verstehen und ein Königsein und eine des Seins würdige Schöpfung nennt und erklärt, daß er sich in der Nähe seines Schöpfers befinde,5 so nennt er damit den Glauben ein Sein, aber keine Fähigkeit, und eine Naturanlage und einen Zustand, die unbegrenzte Schönheit unübertrefflicher Schöpfung, aber nicht die vernünftige Zustimmung einer mit freiem Willen begabten Seele.6

3. Überflüssig sind also die Gebote des Alten sowohl als auch des Neuen Testamentes, wenn jemand von Natur zu den Geretteten gehört, wie Valentinus will, oder von Natur gläubig und auserwählt ist, wie Basileides glaubt. Dann hätte auch ohne die Erscheinung des Heilandes mit der Zeit einmal die Naturanlage ans Licht kommen können.

4. Wenn sie aber sagen sollten, daß das Kommen des Herrn notwendig gewesen sei, so ist es nichts mit ihrer Behauptung von den besonderen Eigenschaften der Natur, da dann die Auserwählten nicht durch ihre Naturanlage, sondern durch Lernen und Läuterung und durch gute Werke gerettet werden.

1: Vgl. Luk 17,5.
2: Vgl. Mt 17,20; Lk 17,6.
3: Vgl. Mt 13,31 f.; Mk 4,31 f.; Lk 13,19; Clem. Fr. 54 (Ausgabe III S. 226,5 ff.).
4: Vgl. Strom. II 10,1.
5: Da keiner der vielen Verbesserungsversuche der verderbten Stelle befriedigt, habe ich versucht, den überlieferten Text zu übersetzen; der Sinn ist jedenfalls der, daß der von Basileides gelehrte Glaube nicht die freie Entscheidung eines Menschen, sondern eine ihm verliehene Beschaffenheit ist.
6: Vgl. Strom. II 8,4; 9,1; 27,2; V 86,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger