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Gregor v. Nyssa (†394) - Gespräch mit Makrina über Seele und Auferstehung (Dialogus de anima et resurrectione)

§16. Schriftbeweise für die Auferstehung.

1.

[S. 315] Da nun nach diesen Ausführungen der Lehrerin ihre Darlegung nach Ansicht der meisten Anwesenden zu einem passenden Abschluß gekommen schien, ich aber fürchtete, es möchte, wenn die Krankheit einen Ausgang für die Leidende nehme, wie sie ihn dann wirklich genommen, niemand mehr vorhanden sein, der die Einwürfe der Ungläubigen gegen die Auferstehung zurückweisen könnte, so sagte ich: „Gerade den Hauptpunkt in der Erörterung über unseren Glaubenssatz hat deine Rede noch nicht berührt. Die Heilige Schrift erklärt sowohl in der alten als auch in der neuen Unterweisung, jedenfalls werde einmal, nachdem unsere Natur nach einer gewissen Ordnung und Folge die periodische Bewegung der Zeit durchlaufen habe, dieser flußartige, in der Aufeinanderfolge der Nachkommen fortschreitende Kreislauf zwar stillstehen; aber es werde dann, wenn die Vollendung des Alls weder Zuwachs noch Vermehrung gestattet, die gesamte Menge der Seelen aus der Unsichtbarkeit und der Vereinsamung (vom Körper) zur Vereinigung (mit den Leibern) und zur Sichtbarkeit zurückkehren, indem die nämlichen Elemente in der nämlichen Verbindung wieder zusammentreten. Diese Wiederherstellung des Lebens wird von der göttlichen Schriftlehre ‚Auferstehung‘ genannt, welcher Name zugleich mit der Aufrichtung des todhaften Bestandteiles der Menschen auch die gesamte Bewegung der Elemente bezeichnet.“

„Was ist denn“, sprach sie, „in den bereits gegebenen Darlegungen unberührt geblieben?“ „Die Lehre von der Auferstehung“, antwortete ich. Darauf erwiderte, sie: „Gar vieles von dem, was ich ausführlich behandelte, führt auf dieses Ziel hin.“

Doch ich erklärte: „Weißt du denn nicht, was für ein Schwarm von Einwendungen gegen diese unsere Hoffnung von den Gegnern vorgebracht wird?“ Dabei machte ich auf alles aufmerksam, was die Gegner gewöhnlich anführen, um unsere Lehre von der Auferstehung zu widerlegen.

[S. 316] Da fuhr sie in der Belehrung also fort: „Wie mir scheint, müssen wir das, was die Heilige Schrift an verschiedenen Orten über diese Glaubenslehre verkündigt, kurz durchgehen, damit wir von dort her den Schlußstein für unsere Unterredung nehmen. Da höre ich denn die Stimme Davids in seinen göttlichen Liedern ertönen, in denen er die wunderbare Ordnung des Weltalls zum Gegenstand seines lobpreisenden Gesanges macht und am Schluß des Psalmes 103 [hebr. Ps. 104] also ausruft: Du nimmst weg ihren Odem, und sie vergehen und kehren zurück in Staub; du sendest aus deinen Odem, und sie werden geschaffen, und du erneuerst das Angesicht der Erde! ― Mit diesen Worten will er sagen, daß die allenthalben wirksame Kraft des göttlichen Odems (oder Geistes) einerseits diejenigen belebe, in die er kommt, andererseits jene des Lebens beraube, die er verläßt. Da er also mit der Entfernung des Odems den Untergang der Lebenden, mit dessen Eintritt dagegen die Erneuerung der Untergegangenen erfolgen läßt, und da in der dabei eingehaltenen Reihenfolge der Untergang der Erneuerung vorausgeht, so liegt darin die Ankündigung des Auferstehungsgeheimnisses, indem David im prophetischen Geiste der Kirche diese Gnade voraussagte.“

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger