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Gregor v. Nyssa (†394) - Gespräch mit Makrina über Seele und Auferstehung (Dialogus de anima et resurrectione)
§15. Der Eintritt der Seelen in das Dasein.

3.

„Die Hauptfrage aber lautete: Wenn die Seelen nicht schon vor den Leibern existieren, wann und wie entstehen sie dann? Und deshalb ist unsere Darlegung auf die Frage nach dem Wie nicht näher eingegangen, weil das Ergebnis unsicher ist; doch der andere Punkt, nämlich wann die Seelen ihre Existenz gewinnen, harrt noch der Untersuchung, weil er in engem Zusammenhang mit dem früher Besprochenen steht. Würde [S. 313] nämlich eingeräumt, die Seele lebe bereits vor dem Körper in irgendeinem Zustande, so müßten wir notwendig auch die Phantasterei jener annehmen, welche die Seelen der Sünde wegen in Körper einkerkern. Daß aber auf der anderen Seite die Entstehung der Seele etwa später erfolge und jünger sei als die Bildung der Körper, wird wohl auch kein Verständiger sich einfallen lassen, da doch allen klar sein dürfte, daß Seelenloses weder Kraft zum Wachstum noch Beweglichkeit besitzen kann, während es keinem Zweifel und keiner Frage unterliegt, daß das Kind im Mutterleib sowohl örtlicher Bewegung als auch des Wachstums fähig ist, wie es auch Nahrung zu sich nimmt. Daraus folgt, daß wir nur eine gleichzeitige Entstehung für Seele und Leib annehmen. Und wie die Erde den Wurzelschößling, den sie von den Landleuten empfängt, zum Baume gestaltet, nicht als ob sie in den Schößling die Kraft zum Wachstum legen würde, sondern weil sie ihm die Wachstumsmittel bietet, so sagen wir auch, das vom Menschen zur Pflanzung eines Menschen Abgetrennte sei ein Lebewesen, ein Beseeltes vom Beseelten, ein Nahrung Empfangendes von einem, der Nahrung empfangen hat. Freilich, wenn die Winzigkeit des Ablegers nicht sofort alle Tätigkeiten und Bewegungen der Seele zuläßt, so können wir uns hierüber nicht wundern. Denn der Weizen, der schon im Samen vorhanden ist, erscheint nicht sogleich als Ähre ― wie könnte so Großes in so Kleines gehen? ― sondern indem die Erde ihn durch entsprechende Zufuhr nährt, wird der Weizen zur Ähre, nicht als ob er in der Scholle seine Natur vertauschte, sondern weil er durch die Nahrung sich selbst entfaltet und vollendet. Gleichwie also bei dem Pflanzensamen der Keim allmählich bis zur Vollendung fortschreitet, auf dieselbe Weise kommt auch bei dem Werden des Menschen die Seele nach Maßgabe der körperlichen Größe zur Geltung, indem sie zuerst dem Kinde, das sich im Mutterleib befindet, der Nähr- und Wachskraft nach innewohnt, dann aber, wenn es das Tageslicht erblickt, ihm auch das Empfindungsvermögen verleiht, hierauf endlich, wenn es schon größer geworden, in ihm die Denkkraft einigermaßen hervortreten läßt, jedoch nicht auf einmal in ihrer ganzen Fülle, sondern [S. 314] fortschreitend in Übereinstimmung mit der Zunahme des Schößlings. Da nun der aus beseelten Wesen zur Bildung eines beseelten Wesens abgelöste Keim nicht tot sein kann (denn der Zustand des Todes tritt durch Beraubung der Seele ein, und keineswegs geht die Beraubung dem Besitze voraus), so erkennen wir hieraus, daß das aus beiden d. i. aus Seele und Leib bestehende Gebilde einen gleichzeitigen Eintritt ins Dasein hat, so daß weder jene (d. i. die Seele) vorausgeht, noch dieser (d. i. der Leib) nachfolgt.“

 

 

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Einleitung zum Gespräch mit Makrina „Über die Seele und die Auferstehung".
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger