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Gregor v. Nyssa (†394) - Gespräch mit Makrina über Seele und Auferstehung (Dialogus de anima et resurrectione)

§13. Die Läuterung der Seele vor und nach dem Tode.

1.

[S. 295] „Wenn nun die Seele zu diesem Ziele emporgestiegen ist, dann bedarf sie keines anderen Gutes mehr, da sie (in Gott) die Fülle alles Seienden umfaßt; sie allein scheint in sich aufnehmen zu können, was die Seligkeit Gottes ausmacht. Denn auch das Leben der göttlichen Natur besteht in der Liebe, weil das Schöne notwendig von denen geliebt wird, die es erkennen; die Gottheit erkennt sich nun selbst; diese Erkenntnis wird aber zur Liebe, weil die göttliche Natur, die erkannt wird, wesenhaft schön ist. Mit dem wahrhaft Schönen ist auch keine Übersättigung verbunden; und da also kein Gefühl des Sattseins das Liebesverhältnis zum Schönen stört, so verläuft das Leben Gottes in immerwährenden Akten der Liebe, weil es von Natur aus sowohl schön ist als auch von Liebe zum Schönen hingezogen wird. Auch kennt diese Liebesbetätigung keine Grenze, weil auch für die göttliche Schönheit keine Grenze festgesetzt werden kann; darum findet die Liebe erst an dem Ende des Schönen ihr eigenes Ende. Erst an seinem Gegenteil aber hört das Schöne auf; derjenige nun, dessen Natur das Böse völlig ausschließt, muß eine Güte besitzen, die ohne Ende und ohne Grenzen ist. Und da jede Natur an sich zieht, was verwandt ist, der Mensch aber zur Verwandtschaft mit Gott durch seine Ähnlichkeit mit dem Urbilde erhoben wurde, wird die Seele notwendig zu der ihr verwandten Gottheit hingezogen; was aber zu Gott gehört, muß auf jeden Fall und ganz gerettet werden.“

„Allerdings, wenn die Seele, insofern das Gewicht des Körpers sie nicht niederdrückt, leicht und unbeschwert ist, dann wird für sie der Zugang zu dem, der sie an sich zieht, angenehm und bequem; wenn sie dagegen mit den Nägeln der Leidenschaften am Materiellen, in das sie sich versenkt, angeheftet ist, also in ähnlich schlimmer Lage sich befindet wie die Leiber, welche bei dem durch Erdbeben herbeigeführten Einsturz des Hauses in die Trümmer eingequetscht wurden ― denken [S. 296] wir nur an den Fall, daß nicht nur Schutt schwer auf ihnen liegt, sondern daß sie auch von eisernen Haken und Holzstücken mehrfach durchbohrt sind, ― was also solche Leiber, wenn sie von den Verwandten der Bestattung wegen aus dem Trümmerhaufen hervorgezogen werden, Schreckliches erdulden; ― denn sie werden hiebei ganz zerschunden und zerrissen und überhaupt arg zugerichtet, weil Haken und Schutt sie um so mehr zerfleischen, je mehr man Gewalt anwenden muß, sie aus dem Geröll herauszuziehen, ― ähnliche Leiden, meine ich, haben die Seelen auszustehen, wenn die göttliche Macht aus lauter Güte sie aus dem Schutt des Unvernünftigen und Materiellen als ihr Eigentum hervorholen will.“

 

 

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Einleitung zum Gespräch mit Makrina „Über die Seele und die Auferstehung".
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger