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Gregor v. Nyssa (†394) - Acht Homilien über die acht Seligkeiten
Erste Rede: "Selig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich!"

V

Verschmähe, mein Bruder, auch die andere Auffassung der Armut nicht, die dir den Reichtum des Himmels verschaffen kann. Der Herr sagt nämlich: „Verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen, dann komm und folge mir nach, und du wirst einen Schatz im Himmel haben“ (Matth. 19, 31). Auch diese Armut stimmt gewiß mit der seliggepriesenen Armut überein. Ein Jünger sprach zum Herrn: „Siehe, alles, was wir hatten, haben wir verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil werden?“ (Matth. 19, 27). Und wie lautete die Antwort: „Selig sind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich!“ Willst du wissen, wer arm im Geiste ist? Derjenige, welcher den Reichtum der Seele für das Wohlergehen des Leibes eintauscht; der um des Geistes wegen Not leidet, der den irdischen Reichtum wie eine Last abschüttelt, damit er sich emporheben und durch die Lüfte nach oben sich schwingen kann, um, wie der [S. 164] Apostel sagt: „dem Herrn entgegen auf den Wolken dahinzuziehen“ (1 Thess. 4, 17). Ein gar schweres Ding ist das Gold, schwer der ganze materielle Besitz, den man im Reichtum erstrebt, eine gar leichte und aufwärts führende Sache aber ist die Tugend. Die Schwere und die Leichtigkeit sind Gegensätze, die einander ausschließen. Darum kann keinem Leichtigkeit zukommen, der sich an die Schwere der Materie heftet. Wenn wir also zum Höchsten uns erheben wollen, so lasset uns arm sein an dem, was nach unten zieht, damit wir zu dem gelangen, was oben ist. Auf welche Weise das geschieht, lehrt der Psalmist: „Er streute aus und gab den Armen; seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich“ (Ps. 112, 9 [= hebr.] [Septuag. u. Vulgata = Ps. 111, 9]). Wer den Armen mitteilt, darf sich auf die Seite dessen stellen, der unsertwegen arm geworden. Der Herr ist arm geworden; darum fürchte auch du die Armut nicht! Aber siehe! derjenige, der unsertwegen arm geworden war, herrscht jetzt über die ganze Welt. Wenn du demnach mit dem arm Gewordenen arm wirst, so wirst du auch herrschen mit dem, der jetzt herrscht. Selig sind also die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich! Mögen auch wir desselben gewürdigt werden ― durch Christus Jesus, unseren Herrn, dem die Ehre und Macht sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.Zweite Rede: „Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.“

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger