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Gregor v. Nyssa (†394) - Acht Homilien über die acht Seligkeiten
Erste Rede: "Selig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich!"

II

[S. 157] Doch was würden wir aus dem vom Herrn so freigebig erteilten Unterricht für einen Gewinn ziehen, wenn uns nicht der in den Worten liegende Sinn enthüllt würde? Denn auch in der Heilkunde bleiben viele wertvolle und seltene Arzneimittel für den hierin Unwissenden unverwendbar und unnütz, bis uns die medizinische Wissenschaft lehrt, wozu jedes dienlich ist. Was bedeutet nun „das Armsein im Geiste“, als dessen Frucht der Besitz des Himmelreiches verheißen wird? Einen doppelten Reichtum lernen wir aus der Schrift kennen: einen, der hochgeschätzt, und einen, der verworfen wird. Hochgeschätzt wird der Reichtum an Tugenden, verworfen der materielle, irdische, weil jener ein Gut der Seele, dieser dagegen geeignet ist, den sinnlichen Menschen zu täuschen und zu verführen. Letzteren zu sammeln, verbietet der Herr, weil er der Verzehrung durch Motten und den Nachstellungen der Diebe ausgesetzt ist; den Reichtum an höheren Gütern dagegen befiehlt er, eifrig anzustreben, weil keine Macht der Zerstörung an ihn heranreicht (Matth. 6, 19 f.); mit der Motte und dem Diebe hat er auf den hingewiesen, der die Schätze der Seele rauben möchte. Wenn nun die Armut das gerade Gegenteil des Reichtums ist, so liegt es nahe, auch eine doppelte Armut anzunehmen: eine, die zu verwerfen, und eine, die seligzupreisen ist. Wer arm ist an Mäßigung oder an dem kostbaren Gut der Gerechtigkeit oder an Weisheit oder an Klugheit, oder wer überhaupt an einem der wirklich kostbaren Güter Mangel leidet und wie ein Bettler erscheint, ist unglücklich wegen seiner Dürftigkeit und bedauernswert wegen seiner Armut an den wahrhaft wertvollen Gütern. Wer aber an allem, was böse ist, kraft seiner freien Willensentscheidung Not leidet und von den teuflischen Gütern nichts in seinen Kammern hinterlegt hat, sondern im Geiste glüht und durch diesen die Armut am Bösen für sich als Schatz aufbewahrt, der ist es wohl, dem das Wort Gottes die Armut, welche es seligpreist, zuerkennt und deren Lohn das Himmelreich ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger